Sonntag, 18. Oktober 2020

Zur Lage der Weltbürgerbewegung



Im letzten Beitrag wurde die Rolle von Garry Davis beleuchtet, der nach wie vor als Begründer der Weltbürgerbewegung gilt. Sein reales Vermächtnis besteht heute allerdings nur noch aus dem Mythos um seine Person, der von den Medien immer wieder kritiklos kopiert wird, und der von ihm gegründeten World Service Authority, einer Firma, welche fortgesetzt das zweifelhafte Geschäft mit dem World Passport betreibt. Die Wikipedia-Artikel zu dem Komplex sind teilweise lückenhaft und weisen Fehler auf. Aber was ist aus dieser Weltbürgerbewegung von damals geworden?

Flagge mit Weltbürger-Symbol

Unter Beteiligung von Garry Davis wurde Anfang 1949 in Paris das Weltbürger-Register gegründet. Es folgte die Kampagne für die "Mondialisierung" so genannter Welt-Territorien. Eine zusammengefasste Übersicht dazu wurde beim Weltbürger-Informationsdienst veröffentlicht. Ich selbst hatte zeitweise die Vertretung des Weltbürger-Registers in Deutschland übernommen, aber dann wieder gekündigt. Über den ganzen Vorgang gibt es einen kritischen Thread im Weltbürgerforum.

Es gab für mich mehrere Gründe, dem Weltbürger-Register den Rücken zu kehren. Dazu gehörte nicht zuletzt die dortige Duldung irrationaler Propaganda und Verschwörungstheorien. Auch die dilettantische Planung und Durchführung der Veranstaltungen zum 70. Jubiläum war für mich ein Grund zur Trennung. Was als voller Erfolg gefeiert wurde, war in Wirklichkeit ein Fiasko.

Während der Zeit meiner Kontakte hielt man sich nicht an Absprachen. Es gab keine fortschrittlichen Impulse. An frischen Ideen zeigte man kein Interesse. Einfachste Initiativen erstickten im Keim. Der größte Teil der auf der Website des Weltbürger-Registers aufgeführten Korrespondenten ist inaktiv oder inszwischen verstorben. Es wird noch ein bisschen Bürokratie betrieben, wenn sich ab und zu jemand als Weltbürger registrieren lässt, aber dann nichts weiter tut. Politisch ist die Sache tot.

Es existierte noch eine separate Initiative unter der selben Adresse in Paris: Der Marsch der Weltbürger. Die drei Initiatoren wollten aus Altersgründen die Sache an Jüngere abgeben, aber es hat sich bisher niemand dazu bereit erklärt.

Die Kampagne zur "Mondialisierung" so genannter Welt-Territorien war eine Idee, die sich schnell und mit Nachdruck ausbreitete, aber ebenso schnell wieder verschwand. Heute ist davon nur noch eine große Liste von Orten übrig, in denen sich kaum noch jemand an die damaligen Aktivitäten erinnern kann. Einzig in der südfranzösischen Stadt Cahors hält ein kleiner Weltbürger-Verein die Erinnerung wach, an die "Zeit, in der der Amerikaner in die Stadt kam".

Dazu soll auch das im September erschienene Buch von Michel Auvray, "Histoire des Citoyens du Monde - Un idéal en action de 1945 à nos jours" dienen. Aber das ist alles Geschichte. Es fehlt, wie auch beim Weltbürger-Register in Paris, an Zukunftsinitiativen und an jüngeren Leuten, welche sich dafür einsetzen. Möglichkeiten gäbe es genug.

Man kann sagen, dass die aus den Ereignissen 1948 in Paris entstandene Weltbürgerbewegung heute nicht mehr existiert. Da sind nur noch vereinzelte Vereine und Gruppen, die man nicht mehr als Bewegung ansehen kann. Dabei ist durchaus das Potenzial für eine neue Weltbürgerbewegung vorhanden. Das ergibt sich aus der absoluten Notwenigkeit der politischen Vereinigung der Menschheit in einer demokratischen und föderalen Weltunion, sowie den vielen Organisationen und Einzelpersonen, die sich bereits mit ihren speziellen Themen dafür einsetzen, ohne sich direkt als Welbürger zu bezeichnen.

Konkrete Weltbürger-Aktionen sind ebenso am laufen. Ich nenne hier nur die UNPA-Kampagne und die internationale Kampagne für eine UN-Weltbürgerinitiative WE THE PEOPLES. Das ist alles wichtiger als symbolische Registrierungen und wertlose Ausweispapiere. Damit kommen wir auch dem eigentlichen Sinn der von Garry Davis und seinen Mitstreitern am 19. November 1948 in Paris veranstalteten Demonstration wieder ein Stück näher.


Samstag, 10. Oktober 2020

Der ewige World Passport des Garry Davis

Der Ursprung des als World Passport bezeichneten Fantasieausweises liegt im Herbst des Jahres 1948 in Paris. Dort hin hatte es den bis dahin kaum bekannten us-amerikanischen Schauspieler Garry Davis, der im Zweiten Weltkrieg als Bomberpilot eingesetzt war, verschlagen. Am Broadway in New York – nicht etwa in Hollywood – war seine Kunst damals nicht gefragt.

Ernsthaft beeindruckt von dem Buch "Die Anatomie des Friedens" von Emery Reves, beschloss Davis für den Weltfrieden jeder Nationalstaatlichkeit zu entsagen und legte im Pariser US-Konsulat seine amerikanische Staatsbürgerschaft ab. Im Laufe seiner anschließenden Aktionen am exterritorialen Tagungssort der dritten UN-Generalversammlung bastelte er sich selbst einen Weltbürgerausweis mit der Seriennummer 1. Prompt verpasste ihm ein findiger Reporter den Titel "Weltbürger Nr. 1".

Damals wie heute nahm die Presse solche Kuriositäten dankbar auf. Sein Zelt auf dem Gelände des Palais de Chaillot lockte Schaulustige und Sympathisanten an. Eine Gruppe der im Schatten damaliger Ereignisse verweilender Pariser Intellektueller – darunter der spätere Literaturnobelpreiträger Albert Camus – witterte Morgenluft und gesellte sich solidarisch zu Garry Davis. Ihr medialer Höhepunkt war eine Performance am 19. November 1948 während der UN-Generalversammlung. Die Behauptung, diese hätte die Verabschiedung der "Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte" am 10. Dezember beflügelt, kann als nachträgliche Wichtigtuerei angesehen werden. Solche Aussagen wie: "Garry Davis, der Mann der die Menschenrechte erkämpfte", sind absoluter Unsinn. 

Zwar hatte die Pariser Aktion keine erkennbare Wirkung auf die Weltpolitik und wurde von schon länger aktiven Weltföderalisten mit Skepsis beobachtet, fand aber in der Öffentlichkeit beachtliches Interesse. Es entstand eine Weltbürgerbewegung, als deren Initiator Garry Davis galt. Eine nicht nachprüfbare Zahl von Menschen in ganz Europa, die bis 700.000 genannt wurde, ließ sich als Weltbürger registrieren. Der dafür notwendige bürokratische Aufwand überforderte die meisten damit betrauten Weltbürgerorganisationen und führte zu deren Insolvenz.

Garry Davis machte 1949 für die Weltbürgerbewegung eine Vortragsreise durch Südfrankreich. Im Rahmen einer so genannten "Mondialisation" erkärte sich der Ort Trouillas nahe Perpignan zum "Weltterritorium". Es folgten hunderte solcher symbolischer Erklärungen französicher Gemeinden und auch in anderen Ländern. Albert Einstein, der Davis noch im Jahr zuvor für seine Aktion in Paris telegrafisch beglückwünscht hatte, meinte zu der Einladung, die "Mondialisation" der Stadt Cahors zu unterstützen:

" ... Es macht zwar den Eindruck, dass die Führer der Bewegung es mit ihrem Vorschlag ernst meinen; aber es schein eine Seifenblase zu sein. Wenn man für solche luftigen Unternehmungen eintritt, wird man sehr bald nicht mehr ernst genommen und kann gar nichts mehr nützen." (Quelle: Einstein, Über den Frieden)

Einstein hatte inzwischen wohl erkannt, wie das anfängliche Strohfeuer der Weltbürgerbewegung verglühte. Davis selbst hatte damit begonnen, gegen Spenden und später Gebühren, Weltbürgerpässe auszustellen. Es galt in der Szene als schick, solch ein Papier zu besitzen. Deshalb, auch wegen sonstiger eigenmächtiger Aktionen und Provokationen, kam es zum Streit mit den französischen Weltbürgern und schließlich zur Trennung. Garry Davis ging seine eigenen Wege. Diese führten ihn zunächst nach Indien, wo er irgendwelche Merkwürdigkeiten studierte.

Zurück in den USA bekam Davis durch erneute Heirat wieder die amerikanische Staatsbürgerschaft. Hier gründete er seine World Service Authority. Ich habe mir die Mühe gemacht, die dazu verfasste "Ellsworth-Erklärung" vom 4. September 1953 in ihrer Gesamtheit zu lesen. Sie ist interessant, weil sie den geistigen Zustand von Garry Davis zu dieser Zeit dokumentiert: Ein hoffnungsloses Gemisch aus Weltschmerz und unausgegorenen Lösungsideen für eine Menschheit, die es so nicht gibt. Eine Predigt des "Weltbürgers Nr. 1" gegen die Realität, wie eine chaotische Philosophie, welche die bereits damals bekannten und logisch formulierten Perspektiven und Pläne ernsthafter Weltföderalisten völlig ignorierte. Sie gipfelt in der egozentrischen Fantasie, selbst die Weltregierung zu sein. Der deutsche Journalist Peter Coulmas schrieb 1990 in seinem Buch "Weltbürger - Geschichte einer Menschheitssehnsucht":

"Seine kosmopolitischen Ideen aber, insbesondere die Behauptung, dass für ihn kein einzelner Staat und keine Regierung zuständig seien, wurden als die Exzentrizitäten eines spleenigen Amerikaners, nicht als die Visionen des Propheten eines neuen Zeitalters angesehen".

Garry Davis baute seinen "Weltdienst" kontinuierlich aus. Der World Passport ernährte seinen Mann. Es kamen mit der Zeit noch andere wertlose Urkunden hinzu. Er reiste dafür durch die ganze Welt und überreichte dabei ohne Bestellung gratis Exeplare der Pässe an Prominente, die er dann als Aushängeschilder benannte. Die Presse spielte dabei in der Regel kostenlos mit. Und wenn er hin und wieder irgendwo Schwierigkeiten bekam, nutze er das ebenfalls zur Publizität. Dazu schrieb er mehrere kleine Bücher. Davis tat nichts anderes mehr, als den World Passport zu verkaufen. Es war die Rolle seines Lebens. Ich würde ihm nicht nachsagen, dass er dabei nur Geld im Sinne hatte. Seine persönliche Überzeugung, damit einen wichtigen Beitrag für den Weltfrieden und die Einheit der Menschheit zu leisten, halte ich für glaubwürdig. Anders wäre sein optimistisches Engagement bis ins hohe Alter kaum zu verstehen.

Garry Davis starb am 24. Juli 2013, drei Tage vor seinem 92. Geburtstag. Die World Service Authority wird von Nachfolgern fortgeführt. Das Geschäft mit dem World Passport geht weiter und ernährt weiterhin seine Protagonisten. Die Werbung wurde intensiviert und findet gegenwärtig auf allen erdenklichen Kanälen im Internet statt. Bei Twitter nutzt man jedes mögliche Thema, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Kernstück ist der 2017 von dem Filmemacher Arthur Kanegis produzierte Film "The World is my Country". Er ist eine Mischung aus Dokumentarfilm über das Leben von Garry Davis und typisch amerikanischer Reklame für den World Passport. Wir hatten im Weltbürgerforum darüber diskutiert. Es gibt inzwischen dazu sogar einen Fanclub. Aktuell wird berichtet, dass die National Educational Telecommunications Association den Film an TV-Stationen (PBS) in den USA zur möglichen Ausstrahlung verteilen will. Kein Problem, wenn die DVDs gratis zur Verfügung gestellt werden. René Wadlow, Präsident der Association of World Citizens, schrieb Ende 2017 an ein Weltbürgertreffen in Paris:

"Für diejenigen unter ihnen, die Garry kannten, lohnt es sich, den Film zu sehen; es wäre auch nützlich, eine Kopie des Films zu kaufen, um ihn in Frankreich zu zeigen. Ich glaube jedoch nicht, dass dieser Film dazu benutzt werden kann, neue Weltbürger zu rekrutieren. Es wird zu viel Wert auf den Weltpass gelegt, nicht als Symbol der Weltbürgerschaft, sondern als gültiges und anerkanntes Reise- und Identitätsdokument. Einige Leute, die einen kaufen, tun dies nicht, weil sie eine Weltbürger-Ideologie unterschreiben, sondern weil sie keine gültigen Ausweispapiere haben, und wenn sie die Dokumente der Weltdienstbehörde als solche benutzen, endet es schlecht für sie."

Das ist der Hauptgrund, weshalb man das Geschäft mit dem World Passport kritisieren und vor diesem Scheindokument warnen muss. Wenn man von der World Service Authority erzählt bekommt, dass der Passport von vielen Ländern der Welt "faktisch" anerkannt wird, dann ist das irreführend.

Die "faktische" Anerkennung des Passes wird hier daraus abgeleitet, weil er hin und wieder bei Grenzkontrollen abgestempelt wird. Das dürfte kein Problem sein, wenn man einen echten Reisepass vorweisen kann und den freundlichen Grenzbeamten darum bittet, auch den zweiten, symbolischen Pass abzustempeln. Ein Bakschisch mag dabei behilflich sein. Es kann auch vorkommen, dass Grenzbeamte den World Passport aus Unkenntnis akzeptieren. In Wirklichkeit wird der World Passport von keinem Land der Welt offiziell anerkannt. Er hat bestenfalls symbolischen Charakter. Was man von der World Service Authority nicht erfährt, ist zum Beispiel die Erfahrung eines Afrikaners, der wegen des Passes mehrere Monate im Gefängnis saß. So kann es jedem gutgläubigen Weltenbummler passieren, dass er die eine oder andere Arrestzellen von innen besichtigen darf.

Da diese irreführende Werbung für den World Passwort von den Verantwortlichen wissentlich und absichtlich erfolgt, kann ich deren Treiben nur als unseriös ansehen. Jeder seriöse Weltbürger und Weltföderalist sollte sich deshalb von diesem dubiosen Geschäft fernhalten. Davon abgesehen halte ich auch den Stil, das Engagement für eine Welföderation an solch einem Stück Pappe aufzuhängen, für idiotisch. Es kursieren auf dem Markt der Unmöglichkeiten inzwischen noch weitere Pässe, die so ähnlich aussehen. Man braucht nur zu googlen. Ich hoffe sehr, dass sich die Einsicht durchsetzt, dass solch ein Unsinn unserer Sache mehr schadet als nutzt.


Montag, 5. Oktober 2020

Gewaltlosigkeit ja – aber bitte ohne Gandhi

Am vergangenen Freitag, dem 2. Oktober, feierte die Welt der Friedensbewegten wieder den Internationalen Tag der Gewaltlosigkeit. Dieser wurde 2007 auf Betreiben der indischen Regierung von der UN-Generalversammlung zum UNO-Gedenktag erhoben. Der 2. Oktober ist der Geburtstag des indischen Nationalhelden Mahatma Gandhi.

Geschöntes Bild Gandhis

Es scheint der allgemeine Konsens zu sein, dass dieser magere kleine Mann mit Hungerstreiks und zivilem Ungehorsam die britische Kolonialherrschaft Indiens beendet hat. Ganz so ist die Sache damals aber nicht geschehen. Diese Revolution lief nicht wirklich friedlich ab. Es wird sogar von regelrechten Gewaltorgien seitens der Inder berichtet. Das passt so gar nicht zu dem friedfertigen Bild, welches das offizielle Indien – selbst eine gewaltbereite, hochgerüstete Militärmacht mit Atomwaffen – der Welt vorgaukelt.

"Ich glaube an Gewaltlosigkeit, aber ich verstehe nicht, wie Gandhi seine Doktrin einfach so auf einem System permanenter Gewalt aufbauen konnte." Schriftstellerin Arundhati Roy

Frau Roy meint damit das brutale Kastensystem des Hinduismus, das die Menschen seit Jahrhunderten in Kasten einteilt, die alles bestimmen: Beruf, Ehepartner, Status. Und auf der untersten Stufe stehen die so genannten Unberührbaren, außerhalb des Systems. Gandhi wollte sie integrieren, aber das Kastensystem wollte er nie abschaffen. Ein gewaltdurchzogenes und durch und durch menschenverachtendes System sah er nicht als Problem an, was unter anderem daran gelegen haben könnte, dass seine Familie einer hohen Kaste entstammte. Er befürwortete das System sogar ausdrücklich.

Man mag Indien als die größte Demokratie der Welt ansehen, aber solange der indische Staat nicht das Kastensystem rigoros und restlos abschafft, wird es im Bezug auf Menschenrechte das größte Scheißland bleiben.

Es besteht also kein vernünftiger Grund, diesen Mahatma Gandhi als herausragende Friedenspersönlichkeit zu verehren. Aber genau das geschieht von Seiten leichtgläubiger und naiver Friedensfreunde weltweit. Es ist manchmal sogar erschreckend, wie dumm diese Leute sind. Siehe dazu meinen Beitrag "Jai Jagat 2020 – haltlos gewaltlos" vom 7. Februar.

Es kann sich jeder selbst von der tatsächlichen Persönlichkeit Gandhis ein Bild machen, sofern er es will und nicht weiter die Augen vor der Wahrheit verschließen möchte. Man braucht nur in den Suchmaschinen "Gandhi Kritik" einzugeben, dann kommen noch ganz andere Dinge zum Vorschein:

Gandhi war nicht nur ein hinduistischer Nationalist, sondern auch ein Rassist, der die Einheimischen Südafrikas als Kaffern herabwürdigte. Er war ein abartiger Psychopath, der Mädchen aus seiner Gefolgschaft dazu zwang, mit ihm nackt im Bett zu schlafen. Er war ein widerlicher Sexist, der vergewaltigte Mädchen und Frauen das Menschsein absprach. Er war ein unmenschlicher Sadist, der die medizinische Betreuung seiner eigenen Ehefrau verweigerte und sie ohne schmerzlindernden Medikamente elend verrecken ließ. Er selbst nahm natürlich gerne die Dienste seine Arztes in Anspruch.

Angesichts dieser Tatsachen erscheint es unbegreiflich, dass dieser Mensch weiterhin als geistiges Vorbild und Apostel der Gewaltlosigkeit angesehen wird. Zum 2. Oktober war das Internet wieder voll mit geschönten Bildern und Zitaten von ihm, auch auf Seiten von Weltbürgern und Weltföderalisten. Das kann man eigentlich nur mit Unwissenheit oder totaler Blindheit erkären. Auf solch einer Dummheit kann man keine bessere Welt aufbauen. Ich kann nur alle dazu aufrufen: Informiert euch und werft diesen Mahatma Gandhi auf den Schrottplatz der Geschichte!


Dienstag, 29. September 2020

Neu: One World Digest

Seit einem Monat gibt es den One World Digest, mit Nachrichten und Analysen aus einer weltföderalistischen Perspektive, online und in englischer Sprache. Herausgeber ist der in Washington D.C. lebende ehemalige Journalist, Medienanalytiker und Weltföderalist Peter Orvetti. Der tägliche Digest erscheint fünfmal die Woche, Montag bis Freitag. Unter der Rubrik Viewpoint werden Kommentare und Analysen veröffentlicht.

In seinem Eingangsstatement "worldfederalism? now?" gibt Peter Orvetti einen realistischen Überblick über die momentane Weltsituation. Seine Einschätzungen decken sich mit denen unserer kleinen Gruppe von Mondialisten.

"Zu diesem Zeitpunkt erscheint die Vorstellung, dass die 195 souveränen Staaten der Welt in einer weltweiten Version der EU zusammenkommen, fantastisch - die weitere Auflösung der EU und sogar ein Auseinanderbrechen der Vereinigten Staaten scheinen wahrscheinlicher. ... Aber eine Weltföderation ist unvermeidlich. ... Diese Website soll über die Schritte informieren, die auf dem Weg zu einer Weltunion und einer größeren internationalen Zusammenarbeit unternommen werden, sowie über die unglücklichen Rückschritte. Sie wird auch Kommentare und Analysen dazu liefern. Ich hoffe, sie finden sie lohnenswert."

Die Inhalte sind für politisch interessierte Weltbürger, Weltföderalisten und Mondialisten – besonders wegen der Links zu den originalen Quellen – eine sehr nützliche Fundgrube. Es besteht auch die Möglichkeit, die Artikel zu kommentieren. Für diesen Dienst kann man dem Herausgeber nur dankbar sein. Der One World Digest wird auf allen Thema-Seiten der Mondialisten unter der Erdflagge verlinkt.


Sonntag, 27. September 2020

Das "Wir werden ..." der Vereinten Nationen

In einer am 21. September in New York beschlossenen Deklaration zum Gedenken an den 75. Jahrestag der Vereinten Nationen haben die Vertreter der UN-Mitgliedstaaten ihre Absicht beteuert, "weiterhin die Achtung von Demokratie und Menschenrechten fördern und die demokratische Regierungsführung und Rechtsstaatlichkeit stärken" zu wollen.

"Wir werden ..." uns um die Verhütung von Konflikten, den Frieden, die Rechte von Frauen und Mädchen, eine nachhaltige Finanzierung und die Reform der UNO, eine globale Krisenprävention, auch wegen der gegenwärtigen Pandemie, das Klima und den Schutz des Planeten und vieles andere mehr kümmern. Dafür soll die UNO "integrativer werden und sich mit allen relevanten Interessengruppen" konsultieren. Es soll mit Partnern zusammengearbeitet werden, um die Koordination und die globale Regierungsführung für die gemeinsame Zukunft der gegenwärtigen und kommenden Generationen zu stärken. Wenn die Mitgliedsstaaten der UNO doch so gut gelaunt sind, warum ist das alles bis heute noch nicht geschehen?

Dieses gebetsmühlenartig wiederholte "Wir werden ..." kann man getrost vergessen. Den Vereinten Nationen ist es bis heute nicht gelungen, den vor 75 Jahren in der Präambel der UN-Charta bekundeten festen Entschluss, künstige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, in die Tat umzusetzen. Verglichen mit der gegenwärtigen realen Weltsituation, klingt der Text der Deklaration wie das Hintergrundrauschen eines Paralleluniversums.

Selbstverständlich darf man die tatsächlichen Verdienste der UNO nicht schmälern, denn sie sind, trotz aller Schwierigkeiten, enorm. Die Welt wäre ohne sie heute schlimmer dran. Der Grund, warum die Weltgemeinschaft nicht so funktioniert wie sie funktionieren müsste, warum sie noch nicht die UNO ist, die wir dringend brauchen, liegt eindeutig in der uneingeschränkten Souveränität ihrer Mitglieder. Die Vereinten Nationen sind tatsächlich nicht vereint. Zudem wäre ein Großteil der nationalen Staats- und Regierungschefs in einem Gefängnis oder der geschlossenen Psychiatrie besser aufgehoben als an den Schalthebeln der Macht.

Da muss man jetzt einmal abwarten, welche Vorschläge der UNO-Generalsekretär der Generalversammlung gemäß Punkt 20 der Deklaration unterbreiten wird. Ständige UNO-Friedentruppen? Eine eigenständige UNO-Souveränität? Eine Parlamentarische Versammlung bei der UNO? Bisher war von offiziellen Seiten davon nichts zu hören, aber man soll die Hoffnung nie aufgeben.


Sonntag, 20. September 2020

Die COVID-19-Verschwörungen und die Weltbürger

Es gibt inzwischen um die Coronavirus-Pandemie eine ganze Reihe verschiedener Verschwörungstheorien, die sich auch gegenseitig widersprechen. Besonders rege bei deren Verbreitung und den erforderlichen Fake-News dazu ist die gegen die westlichen Demokratien gerichtete russische Propagandamaschinerie. Das ist verwerflich, weil diese widerliche Verunsicherungsstrategie zur gesundheitlichen Schädigung und zum Tod von Menschen führt.

 

Da kommt vieles direkt aus deren Gummizelle, was dann auch zu Dr. Roger Kotila passt, der schon im letzten Beitrag Ziel unserer Kritik war. Er hatte sich in seinen "Earth Federation News" bereits ausreichend als Muliplikator russischer Propaganda ausgewiesen. Hier hat er auf seinem Profil bei Facebook einen Artikel über den belarussischen Diktator Aljaksandr Lukaschenko geteilt, der die ganze Pandemie für ein Fake hält, mit der passenden Verschwörungsgeschichte dahinter.
Ein anderer, von Kotila geteilter Beitrag, ist ein Vergleich zwischen Fesselungsmethoden während der Sklaverei mit dem behördlich angeordneten Tragen von Mund-Nasen-Schutz, zwecks Eindämmung der Ansteckungsgefahr durch COVID-19. Das soll eine gezielte Versklavung der Menschen von heute suggerieren. So etwas befeuert die Proteste desinformierter Bürger und leistet asozialen Minderheiten auf den Straßen Vorschub. Die meisten von Kotila geteilten Themen stammen von der Seite seines Facebook-Freundes Leonard Mallo, einem offensichtlich krankhaften Verschwörungsfanatiker.

Inzwischen habe ich 30 Facebook-Freunde von Dr. Kotila, die mir aus der Weltbürgerszene bekannt sind, eine Nachricht mit einem Link zu dem vorhergehenen Blogbeitrag geschickt. Von den 30 hat bis jetzt nicht ein einziger die Freudesliste von Kotila verlassen. Ich muss sie ernsthaft fragen: Macht es euch nichts aus, wenn man eure Gesichter neben solch einem Gehirneiter sieht? Und wer von denen dann zusätzlich noch auf der Freundesliste von Leonard Mallo zu finden ist muss ich ernsthaft fragen: Habt ihr noch alle Tassen im Schrank?

Ich habe daraus sogleich die Konsequenzen gezogen und meine eigene Freundesliste bei Facebook entsprechend bereinigt. Und es gibt mir Anlass, meine bisher weitestgehend positive Einschätzung der Weltbürgerbewegung, wie auch der Szene der Weltföderalisten, neu zu überdenken.