Mittwoch, 12. Februar 2020

Die Jungen Weltföderalisten sind da

Die Young World Federalists kämpfen gegen den Klimawandel, wollen die Armut überwinden und Kriege abschaffen. Richtig haben sie erkannt, dass dies am besten durch Errichtung einer Weltföderation zu erreichen ist. Das Ziel ist identisch mit dem Ziel der Mondialisten. Wir nennen es föderale Weltunion. So gesehen sind die Jungen Weltföderalisten gleichzeitig Mondialisten, denn Mondialismus ist nichts weiter als ein etwas kürzeres Wort für Weltföderalismus.





Sie sind eher jung in dem Sinne, dass sie meist jung sind und moderne Kommunikations- und Finanzierungsmethoden nutzen. Man will nicht grundsätzlich auf die "Alten Hasen" verzichten. Ich möchte auch vorerst davon abraten, allzu viele Erwartungen in die junge Generation zu stecken. Nach meiner Erfahrung mit Fridays for Future, scheinen die Jungen immer noch zu glauben, alleine mit Protest die Welt verbessern zu können. So kamen Zustimmungen zu meinem Appell eher von den Parents for Future.

Aber das wird sich mit der Zeit und unter dem wachsenden Druck der Weltprobleme sicherlich ändern. Die junge Generation hat schließlich noch einen weiten Lebensweg vor sich. Vielleicht sind die YWF auch genau die Leute, auf die der "Marsch der Weltbürger" (siehe den vorhergehenden Beitrag) wartet. Da muss man mal abwarten, wie sich das entwickelt. Bis jetzt sehe ich leider nur Absichtserklärungen und Fehleinschätzungen.

Montag, 10. Februar 2020

Marsch der Weltbürger tritt auf der Stelle

"La Marche des Citoyens du Monde" wurde 2013 von Olivier d'Argenlieu und einigen Mitstreitern gegründet. Damit war kein Marsch im Sinne einer Wanderung gemeint, sondern eine Bewegung für die politische Vereinigung des Planeten Erde. Die Zielvorstellung der Initiatoren deckt sich größtenteils mit dem, was wir Mondialisten wollen. Auch ist der Zeithorizont bis zum Ende dieses Jahrhunderts realistisch. So gesehen sind die Leute von "La Marche" Mondialisten.

Allerdings wurde ein Fehler gemacht, den ich schon bei vielen solchen Gründungen beobachten konnte. Es werden ein paar Schriften herausgegeben, eine großartige Homepage wird veröffentlicht und dann glaubt man, nun müssten viele andere Weltbürger sich dem Projekt anschließen. So geht das aber nicht. Nicht einmal im Büro des Weltbürger-Registers, bei dem sich auch die Postanschrift von "La Marche" befindet, zeigte man Interesse. So trat die Initiative von Anfang an auf der Stelle. Wir besprachen das im Weltbürger-Forum.

Es ist auch merkwürdig, dass das Weltbürger-Register, zu dem "La Marche" wegen der Adresse ja ein Beziehung haben muss, auf der Homepage keine Erwähnung findet. Auch andere, bedeutende Initiativen mit gleichen Zielen werden nicht genannt, so als wüssten die Initiatoren nichts von ihrer Existenz. Das behindert nicht nur die dringend notwendige Kooperation, sondern hinterlässt auch einen zweifelhaften Eindruck.

Nachdem im letzten Jahr aus Altersgründen die Auflösung von "La Marche" zur Sprache kam, und weil sich kein Team zur Nachfolge des Koordinationskomitees fand, wurde nun wieder ein Jahresbericht (PDF) veröffentlicht. Das Magazin muss man ebenso bemängeln wie die Homepage. Es gibt keine Hinweise auf das, was bereits im Sinne von "La Marche" in der Welt geschieht. Stattdessen wird an die jüngere Generation appelliert, das Projekt zu übernehmen. Wie, das ist unklar.

Die Sache soll also fortgesetzt werden. Es wird sich dann herausstellen, ob sie Fortschritte macht, oder ob der Marsch wie bisher auf der Stelle tritt, oder sich da vielleicht überhaupt nichts mehr bewegt.
 

Freitag, 7. Februar 2020

Jai Jagat 2020 – haltlos gewaltlos

Am 2. Oktober 2019 – am Geburtstag von Mahatma Gandhi – startete in New Delhi der globale Marsch für Gerechtigkeit und Frieden Jai Jagat 2020. Ziel ist Genf, das am 2. Oktober 2020 erreicht werden soll. Die Organisatoren und Teilnehmer berufen sich dabei auf die Philosophie der Gewaltlosigkeit nach Gandhi.

So sehr global ist der Marsch allerdings nicht, denn er berührt nur einen kleinen Abschnitt des Erdumfangs. Dazwischen gibt es große Lücken, die mit Verkehrsmitteln überbrückt werden. Der Weg nach Genf hätte eigentlich von New Delhi aus nach Westen gehen müssen, direkt an die pakistanische Grenze. Es mag für die Veranstalter gewichtige Gründe gegeben haben, Pakistan von vornherein aus der Aktion auszusparen. Zu deren moralischem Anspruch passt das allerdings nicht.

So marschierte man lieber Richtung Süden. Bei den Treffen und Veranstaltungen am Weg wurden hauptsächlich interne Probleme Indiens thematisiert. Das hinduistische Kastensystem ist nach wie vor das Haupthindernis für Gerechtigkeit und Frieden. Man kann es zu Recht als ein brutales und menschenfeindliches Unterdrückungssystem ansehen. Gandhi selbst stellte es nie in Frage, sondern befürwortete es ausdrücklich.

Von Indien aus sollte der Marsch per Flugzeug und Schiff in den Iran gehen. Wegen Spannungen mit den USA hat man diesen Teil des Weges inzwischen abgesagt. Die Organisatoren reisten aber mit einer kleinen Delegation in den Iran, mit einen Besuch beim Kulturministerium des Mullah-Regimes in Teheran. Das ist die Kultur, die Frauen herabwürdigt und Homosexuelle hinrichten lässt.
"Wir beschlossen auch, den Ort zu besuchen, von dem aus die islamische Revolution von Imam Ayatollah Khomeini - einem weiteren Friedensliebhaber wie Mahatma Gandhi - vorangetrieben wurde."

Das ist schon ziemlich starker Tobak. Ab 12. Februar soll das dann in Armenien weitergehen.

Zum Prinzip der Gewaltlosigkeit ist zu sagen, dass Gewaltlosigkeit gerade bei Protesten gegen Missstände sehr wichtig ist. Wir erleben gegenwärtig weltweit Protestaktionen, die immer wieder in Gewalt umschlagen. Damit führen diese Proteste oft zum Gegenteil dessen, was damit beabsichtigt wurde. Gewaltlosigkeit ist auch ein wesentliches Merkmal von Zivilisation. Sie ist dann erfolgreich, wenn sie von einer übergeordneten humanen Gewalt geschützt wird. Sich gewaltlos gegen Barbarei zu wehren, hat kaum Erfolgsaussichten.

Als Gandhi seinen gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien begann, konnte er sicher sein, dass die Engländer keine Barbaren sind. Die Gewalt seiner Anhänger in Schach zu halten, gelang ihm dagegen nur begrenzt. Nach dem Rückzug der Kolonialmacht brach zwischen Hindus und Muslimen die Barbarei verstärkt aus. Alleine in Kalkutta kamen bei Unruhen bis zu 10.000 Menschen ums Leben. Indien zerbrach in zwei Staaten, die sich bis heute mit Atomwaffen feindselig gegenüber stehen. Man kann die Gewaltlosigkeit nach Gandhi deshalb wohl kaum als erfolgreich betrachten. Gandhis offizielle Verherrlichung als Nationalheld ist deshalb eine Farce.

Man braucht nur im Internet nach "Gandhi Kritik" zu suchen, um gut belegte Informationen darüber zu finden, dass Gandhi in Wirklichkeit kein guter Mensch gewesen ist. Er war ein unangenehmer, machthungriger Mann mit deutlich auffälliger Psyche. Wer es nicht glauben will, bitte hier lesen!

"Mit Blick auf Massenvergewaltigungen in Indien heute ist interessant, dass Gandhi der Ansicht war, dass eine Frau, die vergewaltigt wurde, nicht mehr als Mensch anzusehen sei." FOCUS vom 12. Juli 2017

Selbstverständlich wird diese Kritik von Gandhi-Anhängern ignoriert oder vehement zurückgewiesen. Jai Jagat 2020 betreibt einen völlig überzogenen Personenkult um Gandhi, den man als kritisch denkender Mensch nicht akzeptieren kann. Das ist schon fast wie bei einer Sekte. Damit macht sich Jai Jagat 2020 unglaubwürdig.

Ich will aber keinem der Teilnehmer von Jai Jagat 2020 den persönlichen Willen für Gerechtigkeit und Frieden absprechen oder sein soziales Engagement herabwürdigen. Allerdings halte ich das Thema Gewaltlosigkeit für so wichtig, dass ich es lieber aus dem Dunstkreis Gandhis befreien würde. Globale Gerechtigkeit, Weltfrieden und Gewaltlosigkeit kann es nur durch demokratisch geschaffenes und durchsetzbares Weltrecht geben. Dafür müssen heute die weltpolitischen Grundlagen und Institutionen aufgebaut werden. Alles andere ist irrationale Träumerei.
 

Samstag, 1. Februar 2020

1. bis 7. Februar – Weltwoche der interreligiösen Harmonie

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte am 20. Oktober 2010 mit der Resolution A/RES/65/PV.34 die erste Februarwoche eines jeden Jahres zur weltweiten Woche der interreligiösen Harmonie zwischen allen Religionen, Glaubensrichtungen und Überzeugungen erklärt.
Image: UNO
Die Generalversammlung wollte, aufbauend auf ihren Bemühungen um eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, die Bedeutung hervorheben, die gegenseitiges Verständnis und interreligiöser Dialog bei der Entwicklung einer kreativen Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit spielen können. Die Resolution der Generalversammlung erkannte "die dringende Notwendigkeit des Dialogs zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen und Religionen zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses, der Harmonie und der Zusammenarbeit zwischen den Menschen" an. Die Woche hat das Potenzial, die Lösung religiös bedingter Spannungen in der Welt zu fördern. Wie der damalige Generalsekretär Ban Ki-moon schrieb:
"In einer Zeit, in der die Welt mit vielen Problemen gleichzeitig konfrontiert ist - Sicherheit, Umwelt, humanitäre und wirtschaftliche Probleme - sind verstärkte Toleranz und Verständnis für eine widerstandsfähige und lebendige internationale Gesellschaft von grundlegender Bedeutung. Es ist daher dringend notwendig, die harmonische Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen und Religionen der Welt weiter zu bekräftigen und zu entwickeln."
Die Bürger der Welt haben eine kulturelle Renaissance auf der Grundlage des Konzepts der Harmonie gefordert. Anstatt sich in erster Linie auf Konflikte, Kämpfe und Leiden zu konzentrieren, was sicherlich notwendig ist, wenn wir zur Lösung der vielen bewaffneten Konflikte beitragen wollen, haben die Weltbürger vorgeschlagen, dass der Schwerpunkt auf Zusammenarbeit, Koexistenz und Visionen einer besseren Zukunft liegen sollte. Harmonie schließt Toleranz, Akzeptanz, Gleichheit und Vergebung von vergangenen Schmerzen und Konflikten ein. Harmonie führt zu Sanftheit, Geduld, Freundlichkeit und damit zu innerem Frieden und nach außen zu Beziehungen, die auf Respekt basieren.

Ich danke Rene Wadlow, Präsident der Association of World Citizens, für die Informationen dazu. Bezug nehmend auf meinen Beitrag vom 19. Januar zum Weltreligionstag, kann ich als Mondialist auch dieses Beispiel interreligiöser Friedensarbeit begrüßen. Leider habe ich im Internet für den deutschsprachigen Raum keine Aktivitäten aus diesem Anlass gefunden.

 

Freitag, 31. Januar 2020

Brexit – es ist vollbracht

Heute verlässt Großbritannien die Euroäische Union. Eine Clique irrationaler Hasardeure hat es geschafft, durch Desinformation und Lügen die Mehrheit der britischen Wähler dazu zu bringen, gegen ihr eigenes Wohl zu stimmen. Die europäische Einigung ist eine Erfolgsgeschichte. Sich von ihr abzuwenden ist pure Dummheit. Churchill würde sich im Grabe umdrehen.

Hauptsächlich rückwärts gewandte Alte haben es so gewollt, die Jungen müssen es ausbaden. Wie es weitergehen wird, bleibt ungewiss. Die Einheit des Vereinigten Königreichs ist gefährdet. Ob es der Regierung in London mit unhaltbaren Versprechungen und unseriösen Tricks gelingen wird, die von ihr verursachte tiefe Spaltung der Gesellschaft rückgängig zu machen, ist zweifelhaft.

Die Euroäische Union muss sich jetzt darum bemühen, dass der Brexit keine Nachahmer findet. Mit ihrem Zusammenhalt sieht es gegenwärtig auch nicht gut aus. Es muss deutlich werden, dass sich unsolidarische Politik und nationaler Egoismus keinesfalls lohnen. Negative Abweichungen vom europäischen Standard der Menschenrechte dürfen nicht hingenommen werden.
In ihrer zukünftigen Entwicklung sollte sich die Europäische Union nicht weiter auf Europa beschränken, sondern auch Staaten aus anderen Kontinenten den Beitritt ermöglichen. Es kommt auf die Eignung an, nicht auf die Entfernung. In Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien gibt es genug Länder, die dafür in Frage kämen. Für sie könnte man vorerst auf unwillige eurpäische Mitglieder verzichten. Damit wäre die EU der Ausgangpunkt für eine föderale Weltunion (WU), welche die Menschheit dringend braucht.

Für die Vision einer besseren Welt ist die Europäsiche Union ein leuchtendes Beispiel, für deren Verwirklichung jedoch zu schwach.