Samstag, 12. März 2022

Ist Russland das Reich des Bösen?

"Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“ Dieses Zitat aus dem Drama "Wilhelm Tell" von Friedrich von Schiller wird immer wieder gerne von Befürwortern nationaler Militärapparate missbraucht, um die eigene Wehrhaftigkeit gegenüber bösen Nachbarvölkern oder angeblichen Feinden zu rechtfertigen. Dass man dabei selbst der böse Nachbar der anderen sein könnte, kommt den wenigsten in den Sinn, oder es wird bewusst verdreht, um die eigene Angriffslust zu verschleiern. Eine solche Verdrehung erlebt die Welt aktuell mit dem Angriffskrieg der Russischen Föderation gegen die Ukraine. Einer mafiosen Clique um Machthaber Wladimir Putin, einschließlich der Russisch Orthodoxen Kirche, ist es gelungen, mit Desinformation und dreisten Lügen die Mehrheit der russischen Bevölkerung hinter sich zu scharen. Es ist ihr gelungen, seine Soldateska auf das Nachbarland zu hetzen, mit militärischer Übermacht und ohne Rücksicht auf die dort lebenden Menschen.

Deshalb gehört alle unsere Solidarität dem ukrainischen Volk, dass sich verzweifelt gegen diese Übermacht zur Wehr setzt. Sie gehört auch den unerschrockenen Russen, die in ihrer Heimat gegen den Krieg demonstrieren. Eine deutliche Mehrheit in der Generalversammlung der Vereinten Nationen hat die russische Aggression verurteilt und den Rückzug der Angreifer gefordert. Das sollten die verantwortlichen Generäle auch tun, denn es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass sie diesen Krieg nur unter größten Verlusten gewinnen können. Zum Sieg wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als die Ukraine in einem mörderischen Vernichtungskrieg mit Bomben und Raketen zu unterwerfen. Das kann sich schlagartig zu einem nuklearen Weltbrand ausweiten. Sie würden damit die globale Zivilisation um mindestens 100 Jahre zurückwerfen und Russland zum meist gehassten Reich des Bösen machen. Eine sympathischere Alternative wäre es, die Panzer umzudrehen und nach Moskau zu fahren, um den Bürgern der Russischen Föderation die Wahrheit zu sagen und die Putin-Diktatur zu beenden. Noch ist es nicht zu spät.

Aus den Reihen der Weltbürger und Weltföderalisten gibt es inzwischen mehrere Statements zum Ukraine-Krieg. Weitere werden sicherlich folgen.

Pressemitteilung der Jungen Weltföderalisten vom 23. Februar

Erklärung der Jungen Europäischen Föderalisten vom 24. Februar

Demokratie ohne Grenzen – Statement vom 27. Februar (PDF)

Statement der Citizens for Global Solutions vom 2. März

World Academy of Art and Science vom 2. März – A Time for Solidarity

Aus diesen Erklärungen geht deutlich hervor, dass die Menschheit – allen pseudointellektuellen Klugscheißereien und zynischen Bedenken zum Trotz – an ihrer politischen Vereinigung nicht vorbei kommt, wenn sie überleben will. Nicht nur wegen eines immer möglicher werdenden dritten Weltkrieges, sondern auch wegen des inzwischen bedrohlich gewordenen Klimawandels und des Aufkommens neuer globaler Gefahren, steuern wir auf den Großen Filter durch Selbstauslöschung zu. Es würde das unweigerliche Aussterben unserer Spezies und das Ende der menschlichen Geschichte bedeuten. Die Menschheit kann diese Hürde in ihrer Entwicklung überwinden, wenn sich die Nationen der Erde in einer friedlichen und demokratischen Weltunion zusammenschließen, in der alle Völker – Ukrainer wie Russen – die Geißel des Krieges abgeschafft haben, brüderlich vereint sind und die Probleme der Zukunft gemeinsam bewältigen können.

Zur Erinnerung:

Eine Weltunion demokratischer Nationen


Sonntag, 6. Februar 2022

Star Trek oder Star Wars

Wir Mondialisten sind seit langem der Meinung, dass Science-Fiction-Fans ein empfängliches Publikum für unsere Botschaft sein müssten, da sie sich bereits mit Literatur und Filmen beschäftigen, welche die zukünftige soziale und politische Entwicklung der Menschheit darstellen. Ich möchte hier allerdings unterscheiden zwischen denen, die Science-Fiction unreflektiert als reine Unterhaltung kosumieren oder in unrealistischen Weltraumfantasien schwelgen, und jenen, welche den tieferen Sinn dieses Genres erkannt haben und Schlüsse für die Zukunft der Menschheit daraus ziehen. Der Unterschied zwischen Star Trek und Star Wars mag dazu die grobe Richtung aufzeigen.

Im November 2021 hielt Tad Daley einen Vortrag auf der LOSCON, der jährlichen Science-Fiction-Convention in Los Angeles, in dem er die zahlreichen Darstellungen einer Weltföderation bzw. Weltregierung im Genre erörterte, die bis zu H. G. Wells zurückreichen. Man kann sich den sehr interessanten, 37-minütigen Vortrag (in englischer Sprache) auf YouTube anschauen.

Zu dieser Thematik haben die Mondialisten auch schon eine konkrete Vision für die nächsten Generationen: Mit der Größeren Erde in eine große Zukunft.

Es geht dabei nicht um interstellare oder gar intergalaktische Expeditionen, denen ja auch kaum vorstellbare Entfernungen und Zeitspannen entgegenstehen. Die Grundlagenforschung der Astronomie soll damit aber nicht begrenzt werden. Hier geht es vielmehr um die Nutzung des für Menschen erreichbaren Weltraums innerhalb unseres Sonnensystems. Und dabei speziell um die Einbeziehung des erdnahmen Raums, zum Vorteil unseres Planeten selbst und als Voraussetzung für eine darauf folgende, größere Expansion.

Vorschlag für Flagge der Größeren Erde

Der Begriff Science-Fiction wäre hier auch nicht mehr passend, denn aus wissenschaftlicher Sicht sind das keine Fiktionen mehr. Es geht um die technische Umsetzung. Dazu wäre der Begriff Engineering-Fiction treffender. Und was die weltpolitische Seite angeht, brauchen wir Social-Fiction. Das ist alles nicht so einfach. So wie die Menschheit heute noch organisiert ist, wird es nicht gehen, wenn nicht sogar durch nationalistische Alleingänge größere Gefahren entstehen. Was soll das werden? Star Trek oder Star Wars?

Siehe auch "Vision 2200 – wir müssen raus"!

Es gibt dazu nur eine vernünftige Lösung: Die Menschheit muss sich politische vereinen, am besten in einer föderalen Weltunion, und den Weltraum gemeinsam kolonisieren.




Donnerstag, 3. Februar 2022

Deklaration zum Gipfel von Afrikanischer und Europäischer Union

Für 17. und 18. Februar 2022 ist ein Gipfeltreffen von Vertretern der Afrikanischen und Europäischen Union in Brüssel geplant. Als Teil der internationalen Zivilgesellschaft haben Europäische Föderalisten und Weltföderalisten eine Erklärung für eine gemeinsame nachhaltige Zukunft verfasst.

Wir, die Unterzeichner, begrüßen die Abhaltung eines Gipfeltreffens zwischen der Afrikanischen Union und der Europäischen Union im Februar 2022, während der französischen EU-Ratspräsidentschaft. Das Gipfeltreffen ist eine entscheidende Gelegenheit, eine engere Partnerschaft zwischen den Nachbarn zu entwickeln und eine gemeinsame nachhaltige Zukunft aufzubauen.

Wir sind entschlossen, die globale Governance zu fördern, um gegen Ungleichheit, für sozioökonomische Entwicklung, gegen den Klimawandel, für Frieden und Sicherheit zu kämpfen. Eine wirksame Global Governance kann allen Menschen ein friedliches, menschenwürdiges und wohlhabendes Leben ermöglichen.

Wir erkennen daher die dringende Notwendigkeit eines multilateralen Ansatzes zwischen Afrika und der EU an. Die beiden Kontinente stehen vor gemeinsamen Herausforderungen, darunter COVID-19 und Klimawandel, und haben eine gemeinsame Vision von einem gemeinsamen Raum des Friedens, der Demokratie, der Menschenrechte, der Sicherheit, der gegenseitigen Achtung und der Solidarität. Dementsprechend fordern wir gemeinsame Lösungen.

Klima und biologische Vielfalt

Wir fordern die Staats- und Regierungschefs auf, sich bis 2050 zu einem kohlenstofffreien Planeten zu verpflichten. Bis 2030 sollten die Nettoemissionen halbiert und mindestens 30 % des Landes und der Ozeane erhalten werden. Die EU sollte ihre Klimafinanzierung für die AU-Länder im Hinblick auf die Erreichung dieser Ziele aufstocken. Wir befürworten die Nutzung der Sonderziehungsrechte des IWF zur Kanalisierung der Finanzmittel.

Wir bekräftigen unser Engagement für eine Begrenzung der globalen Erwärmung auf höchstens 1,5℃. Wir unterstützen eine grüne Revolution, die Arbeitsplätze schafft, Emissionen reduziert und natürliche Ressourcen auf nachhaltige und legale Weise nutzt. Um diese Ziele zu erreichen, müssen mehr Mittel für die Digitalisierung und die Umstellung auf grüne Energie bereitgestellt werden. Sie erfordert, dass der Klimawandel in die finanzpolitischen Entscheidungen einbezogen wird.

Wir fordern den Gipfel auf, den Klimawandel als gemeinsame existenzielle Bedrohung für den afrikanischen und den europäischen Kontinent anzuerkennen und die notwendigen Schritte zu unternehmen, um sicherzustellen, dass die gesamte euro-afrikanische Region auf die Bekämpfung dieser Bedrohung vorbereitet ist.

Afrika darf keine Müllhalde sein. Wir fordern den Gipfel auf, Maßnahmen gegen die Verschlechterung der Bodenqualität und die illegale Ausbeutung der natürlichen Ressourcen zu ergreifen.

Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Gerechtigkeit

Wir begrüßen alle gemeinsamen Initiativen, die auf die Förderung von Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, guter Regierungsführung und Zugang zur Justiz abzielen. Wir fordern den Gipfel auf, einen gemeinsamen strategischen Ansatz für wirksamere, rechenschaftspflichtige und transparente Institutionen zu formulieren, die durch supranationale und föderale Institutionen ergänzt werden.

Wir fordern den Gipfel auf, konkrete Maßnahmen für die Medienfreiheit und ein sicheres Umfeld für Journalisten und Menschenrechtsverteidiger zu entwickeln. Die Beteiligung der Zivilgesellschaft an der Politikentwicklung und Entscheidungsfindung sollte erleichtert werden, wobei Frauen und Mädchen, junge Menschen, indigene Völker, Minderheiten, Randgruppen und Menschen mit Behinderungen besonders berücksichtigt werden sollten.

Ein gemeinsames AU-EU-Forum für Demokratie sollte mit der Förderung des demokratischen Fortschritts betraut werden.

Gesundheit und Wohlbefinden

Auf beiden Kontinenten hat COVID-19 Menschenleben gekostet, Wirtschaft und Gesellschaft in Mitleidenschaft gezogen und sich negativ auf die Grundrechte ausgewirkt. Afrika und Europa müssen zusammenarbeiten, um sich gemeinsam von der Krise zu erholen, wobei das Ziel 3 für nachhaltige Entwicklung (Gesundheit und Wohlbefinden) zu berücksichtigen ist.

Die Bürgerinnen und Bürger haben Anspruch auf einen allgemeinen, diskriminierungsfreien Zugang zu hochwertigen, grundlegenden Gesundheitsdiensten. Der Gipfel sollte zu diesem Zweck öffentliche und private Mittel mobilisieren.

Der Gipfel sollte unverzüglich Maßnahmen ergreifen, um die rechtzeitige Verteilung wirksamer COVID-19-Impfstoffe zu beschleunigen. Eine gerechte Verteilung von Impfstoffen ist eine Voraussetzung für die Beendigung der Pandemie.

Ferner fordern wir die Staats- und Regierungschefs auf, auf einen raschen Abschluss der Verhandlungen über einen neuen Pandemievertrag innerhalb der Weltgesundheitsorganisation hinzuwirken.

Frieden, Sicherheit und Stabilität

Afrika und Europa teilen ein gemeinsames Sicherheitsumfeld. Eine vertiefte Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit zwischen den einzelnen Ländern und zwischen den beiden Kontinenten ist eine logische Reaktion auf eine Welt, in der Sicherheitsbedrohungen über nationale Grenzen hinausgehen.

Aufbauend auf den bestehenden EU-Marinemissionen zur Bekämpfung von Piraterie und Schmuggel sollte der Gipfel Schritte in Richtung einer gemeinsamen europäisch-afrikanischen Organisation für maritime Sicherheit unternehmen. Eine solche Organisation, die von einer gemeinsamen parlamentarischen Versammlung kontrolliert wird, wäre ein erster Schritt in Richtung einer gemeinsamen Sicherheitspolitik.

Bildung, Mobilität und Jugend

Enge, dauerhafte und regelmäßige zwischenmenschliche Kontakte, Austausch und Zusammenarbeit schaffen eine gemeinsame Geschichte. Sie sind das Fundament der Partnerschaft zwischen den Kontinenten.

Forschung, Wissenschaft und Innovation, Kultur, Tourismus, Bildung und Ausbildung sind Schlüsselbereiche für die Mobilisierung und Einigung der Menschen auf gemeinsame Ideale, für eine gemeinsame nachhaltige Entwicklung und für die Schaffung von Arbeitsplätzen, insbesondere für die Jugend. Wir fordern das Gipfeltreffen auf, eine europäisch-afrikanische Arbeitsgruppe für einen gemeinsamen Kulturraum einzurichten, die gemeinsame Initiativen wie gemeinsame Bildung, Austausch von Studenten und Akademikern und Qualifizierungsprogramme, Geschichtsbücher und Jugendforen ausarbeitet

Nachhaltiges Wachstum

Wir sind uns einig in unserem Engagement für ein sauberes und grünes Wirtschaftswachstum, das neue, menschenwürdige und hochwertige Arbeitsplätze schafft, Innovationen vorantreibt, zu Investitionen in hochwertige Infrastrukturen führt, Bildung und Qualifizierung stärkt, Ungleichheiten beseitigt, den Planeten schützt und sicherstellt, dass der Wohlstand, den der Handel bringen kann, in allen Teilen unserer Länder spürbar ist.

Wir sind uns einig, dass wir ein reformiertes multilaterales Handelssystem brauchen, das fair und belastbar ist und den Bedürfnissen unserer Völker gerecht wird. Ein solches System ist eine notwendige Voraussetzung für offene Märkte, die Einbeziehung von Frauen und Jugendlichen sowie die Wahrung der Menschenrechte und internationaler Arbeitsnormen. Durch die Wahrung dieser Grundsätze werden Europa und Afrika zu einer fairen und umweltfreundlichen Globalisierung und zu nachhaltigen Lieferketten im Einklang mit den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte beitragen.

Das Gipfeltreffen sollte Verpflichtungen zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen, einem fairen Steuersystem, zur Digitalisierung, zum ökologischen Wandel und zur Stärkung der sozialen Sicherungssysteme hervorbringen.

Wir fordern den Gipfel auf, Strategien zur wirtschaftlichen Erholung zu prüfen, um globale Krisen und Schocks wie Pandemien, Marktungleichgewichte und -verzerrungen zu bewältigen.

Quelle: World Federalist Movement IGP

Wer die Deklaration unterstützen möchte, kann sie hier unterschreiben.


Dienstag, 1. Februar 2022

Vision 2022 – die überleben wollen

In dem 1999 bei Zweitausendeins erschienen Buch "Visionen - 1900 - 2000 - 2100 - eine Chronik der Zukunft" (ISBN 3-8077-0198-2) präsentierten die Autoren Angela und Karlheinz Steinmüller ihre Sammlung von Zukunftsideen und -prognosen, enthusiastischen Erwartungen und Warnutopien. Es ist eine Geschichte der Irrtümer, Phantasien und Träume der Menschheit rund um das Jahr 2000.

Der erste Teil des Buches befasst sich mit den Weissagungen, Voraussagen richtungsweisender Erfindungen und utopischen Prophezeiungen für die Jahre 1900 bis 1999. Hier konnte man ab 2000 nachschauen, was davon eingetreten war. Das eine vielleicht früher als erwartet, das andere verspätet oder was davon durchaus noch eintreten kann. Im zweiten, bis zum Jahr 2100 reichende Teil des Buches hatten sich die Autoren an die Voraussagen, Berechnungen und Szenarien für das kommende Jahrhundert gewagt. Wer das Buch besitzt, kann inzwischen auch die ersten beiden Jahrzehnte des 21. Jahrhunderts selbst überprüfen.

Die Seiten 337 und 338 "Die überleben wollen ..." sind dem Jahr 2022 gewidmet. Hier wird ein katastrophales Bild infolge des Klimawandels und der Überbevölkerung in den Mega-Städten gezeichnet: Unzureichende Versorgung mit Nahrung, Wasserknappheit, Zusammenbruch der Energieversorgung, Seuchen, Unruhen und gewaltsame Ausschreitungen nicht mehr zu beherrschenden Ausmaßes. Ganz so schlimm ist es heute noch nicht. Realistisch betrachtet besteht allerdings wenig Hoffnung, dass es nicht so kommen wird. Der Entwicklung scheint unaufhaltsam in diese Richtung zu gehen.

Als deutliche Warnutopie kann man den Hollywood-Film "Soylent Green – Jahr 2022 ... die überleben wollen" aus dem Jahr 1973 verstehen, dessen Handlung in unserer Gegenwart spielt.

Nach Auffassung der Mondialisten – und sicherlich von vielen verantwortungsbewussten Menschen, die über ihre eigenen Bedürfnisse und Zeithorizonte hinausblicken – können die sich bereits abzeichnenden Zukuftsprobleme nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Nationen abgemildert und bewältigt werden. Um das auf möglichst gerechten und friedlichen Wegen zu erreichen, brauchen wir unbedingt die politische Vereinigung der Menschheit in einer föderalen Weltunion.


Donnerstag, 27. Januar 2022

Parlamentarier für demokratischere UN

Auch wenn die Demokratisierung der Vereinten Nationen vorerst warten muss, die Koalition WE THE PEOPLES lässt nicht locker. In einer gestern veröffentlichten Erklärung fordern über 120 aktive Parlamentarier aus mehr als 40 Ländern die UNO und ihre Mitgliedsregierungen auf, den "demokratischen und partizipativen Charakter" der Weltorganisation zu stärken.

Gemäß dem Dokument sollten drei Vorschläge umgesetzt werden:

eine Weltbürgerinitiative der Vereinten Nationen, die es den Menschen ermöglicht, Vorschläge zu Schlüsselfragen von globalem Interesse zu unterbreiten;

eine Parlamentarische Versammlung der Vereinten Nationen, der gewählte Vertreter angehören;

und ein hochrangiger Gesandter der UN für die Zivilgesellschaft, um eine stärkere Beteiligung von Vertretern der Zivilgesellschaft zu ermöglichen.

Die Erklärung unterstützt eine globale Kampagne von 200 zivilgesellschaftlichen Gruppen, die sich für diese Reformideen - in Anlehnung an die einleitenden Worte der UN-Charta - mit dem Titel "Wir die Völker" zusammengeschlossen haben. Sie knüpft an den Bericht von UN-Generalsekretär António Guterres "Unsere gemeinsame Agenda" an, in dem die Notwendigkeit einer stärkeren Beteiligung und Einbeziehung von Interessengruppen in die Arbeit der Vereinten Nationen hervorgehoben wurde, der jedoch keine institutionellen Veränderungen empfahl. Nach Ansicht des unterzeichnenden Parlamentarier sind dafür "die derzeitigen Mechanismen jedoch nicht ausreichend".

Vollständige Erklärung und Liste der Unterzeichner

Artikel bei Democracy Without Borders

Es dürfte kein allzu großer Aufwand gewesen sein, über die bereits bestehenden Kanäle die Zustimmung der 120 Parlamentarier zu der Erklärung einzuholen. Die Aktion bringt eigentlich nichts Neues. 120 Unterzeichnende sind auch nicht die Welt. Hier von einen "starken Signal" (DWB-Artikel) zu sprechen, ist wohl etwas übertrieben. Die Erklärung wird höchstwahrscheinlich im System der UNO kaum Beachtung finden. Sie ist bestenfalls dazu nützlich, die Kampagne nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Was meines Erachtens bei allen diesen Bestrebungen für globale Demokratie noch fehlt, ist die Suche nach den globalen Demokraten. Wer soll an Weltbürgerinitiativen teilnehmen? Wer wird das Weltparlament wählen? Eine Perspektive wäre, schon jetzt mit der Registrierung von UN-Weltbürgern zu beginnen. So ließe sich eine Basis für globale Demokratie in der Weltbevölkerung aufbauen, vielleicht sogar so etwas wie eine globale Bewegung. Das würde bei den Vereinten Nationen mehr Eindruck erzeugen, als ein Erklärung von lediglich 120 Parlamentariern, so ehrenwert sie auch sein mögen.


Montag, 27. Dezember 2021

Global Assembly – der Anfang ist gemacht

Zum Jahresende aktuelle Nachrichten von der Global Assembly Initiative, die ich hier in leicht gekürzter Form wiedergebe.

Es ist kaum zu glauben, dass erst im Juni dieses Jahres eine kleine Gruppe von Menschen 100 Stecknadeln in eine Weltkarte gesteckt hat. Diese Stecknadeln wurden zu Partnern, Gemeinschaften, Vermittlern, Notizenmachern, Übersetzern, Redakteuren, Bürgern und Freunden.


Wir kamen über Zeitzonen und Kontinente hinweg zusammen, um die erste globale Bürgerversammlung der Welt ins Leben zu rufen. Das war für uns alle sehr wichtig, aber eine große Aufgabe für ein so kleines Team. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben. Ob Sie uns vom Spielfeldrand aus die Daumen gedrückt oder jede wache Stunde für das Projekt geopfert haben. Ohne Sie hätten wir es nicht geschafft.

In diesem Jahr hat unser globales Kollektiv den ersten Teil dieses unmöglichen Traums verwirklicht, aber 2021 war erst der Anfang. Im Folgenden finden Sie einen Rückblick auf die letzten Tage und Wochen und einen Ausblick auf das Jahr 2022...

Die letzte Sitzung der Kernversammlung

Wie sie wahrscheinlich wissen, besteht die Weltversammlung aus einer Kernversammlung und Gemeinschaftsversammlungen. In den 68 Stunden der Kernversammlung kamen die 100 Mitglieder zusammen, um Redner und Zeugen zu hören und dann in kleineren Gruppen von fünf Personen über ihre Erkenntnisse zu beraten und ihre Wissen zu teilen. Jede Fünfergruppe blieb während der gesamten Versammlung zusammen.

Die Hintergründe der Versammlungsmitglieder reichen von einem Goldgräber in Myanmar bis zu einem Politiker in Frankreich, von einem Hausmädchen in Côte d'Ivoire bis zu einem Beduinen in Sokotra (einer der isoliertesten Landschaften der Erde). Die Mitglieder der Weltversammlung sind zwischen 76 und 16 Jahre alt, sie sprechen 39 Sprachen und kommen aus 49 Ländern. 2 sind weder männlich noch weiblich und 9 können weder lesen noch schreiben.

Am Samstag, dem 18. Dezember, trafen sich die Mitglieder der Versammlung zum letzten Mal, um ihre endgültige Erklärung der Menschen für eine nachhaltige Zukunft des Planeten Erde zu verabschieden. Sie zeigt, dass die Menschen im Alltag, unbelastet von versagenden Regierungsstrukturen, den Politikern einen Schritt voraus sind.

Im Anschluss an die letzte Sitzung blieben die Mitglieder der Versammlung und alle, die sie unterstützt hatten, zu einer Zoom-Feier zusammen, bei der jede der 20 Gruppen in Reden und Liedern, Gedichten und Filmen zum Ausdruck brachte, was die Weltversammlung für sie bedeutet hat. Die Verbundenheit, die sich zwischen Menschen entwickelt hat, die sich wahrscheinlich unter keinen anderen Umständen begegnet wären, war wunderschön zu beobachten - und ein wichtiger Teil dessen, worum es bei der Weltversammlung geht.

Die Gemeindeversammlungen haben begonnen

Die Globale Versammlung bringt nicht nur 100 Weltbürger zusammen, sondern hört auch auf die Weisheit vieler weiterer Gemeinschaften in der ganzen Welt, wobei rund 500 Gemeinschaftsveranstaltungen registriert wurden. Versammlungen haben bereits in Kanada, Indien, Tansania, Sambia, China, Pakistan und anderen Ländern stattgefunden, wobei die meisten für das neue Jahr geplant sind.

Equi Youth Zambia führte drei Versammlungen mit verschiedenen lokalen Gemeinschaften durch, darunter auch eine Gruppe junger Männer, die zum Überleben auf die Produktion von Holzkohle angewiesen sind. In einem Gebiet, mit steigenden Temperaturen und geringen Niederschlägen, haben sie die negativen Auswirkungen des Waldverlustes erkannt und wollen, dass die sambische Regierung etwas gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit unternimmt, ohne die die Abholzung ihrer Meinung nach weitergehen wird.

Equi Youth Zambia hofft, mit mehr ländlichen Gemeinden in Kontakt zu treten und der Regierung gemeinschaftsgeführte Lösungen vorzustellen. Ihr Feedback wird zusammen mit dem Feedback jeder einzelnen Gemeinschaftsversammlung, die vor dem 28. Februar 2022 stattfindet, zu einem Bericht über die globale Versammlung beitragen, der im März veröffentlicht wird und dazu dient, die Machthaber in der ganzen Welt im Jahr 2022 zu beeinflussen. Es ist noch nicht zu spät, eine Gemeinschaftsversammlung zu veranstalten und die Weisheit Ihrer Gemeinschaft mit den führenden Politikern der Welt zu teilen.

Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit...

In diesem Prototyping-Jahr haben wir so viel gelernt. Das Jahr 2022 wird ein Jahr der Entwicklung und des Wachstums sein:

  • Wir werden jeden Aspekt der Weltversammlung analysieren und einen Bericht veröffentlichen, der darlegt, wie die teilnehmenden Bürger glauben, dass die Welt auf die Klima- und Umweltkrise reagieren sollte;
  • Wir werden unsere Mitglieder der Versammlung 2021 dabei unterstützen, einen Beitrag zu den bevorstehenden kritischen globalen Diskussionen zu leisten, wie z.B. Stockholm +50, die UN-Konferenz über biologische Vielfalt COP15 und die UN-Klimakonferenz COP27;
  • wir werden von den Gemeinschaften lernen, die überall auf der Welt Versammlungen durchführen, um unser Instrumentarium noch besser zu machen;
  • wir werden noch mehr Gemeinschaften gründen und unterstützen, um ihre eigenen Versammlungen durchzuführen;
  • und wir werden eine Auslosung durchführen, um den nächsten Jahrgang von Kernversammlungsmitgliedern auszuwählen, die im Jahr 2023 zusammenkommen wird.
  • Wir hoffen, dass sie uns auf diesem Weg begleiten werden.

Mit Dankbarkeit und den allerbesten Wünschen ...

Das Team der Weltversammlung

globalassembly.org

Es gibt zur Zeit eine ganze Reihe von Ansichten, Ideen und Planungen für eine neue Weltbürger-Bewegung, bei denen ich kaum Aussichten auf Erfolg sehen kann. Dagegen halte ich die Global Assembly für eine reelle Chance. Der Ansatz ist neu und irgendwie genial. Deshalb möchte ich alle ernsthaften Weltbürgerinnen und Weltbürger dazu aufrufen, die kommende Entwicklung der Global Assembly zu beachten, zu unterstützen und aktiv daran teilzunehmen.

Ich wünschen allen ein gutes, ein besseres Jahr 2022

Der Mondialist

Eine ausführliche Erklärung von 2018:

https://globalchallenges.org/library-entries/towards-a-global-citizens-assembly