Dienstag, 27. Juli 2021

Tag der Fantasie-Weltbürger

Über Garry Davis und seinen World Passport hatte ich bereits im Oktober letzten Jahres einen ausführlichen Artikel geschrieben. Zum besseren Verständnis der folgenden Kritik möchte ich darauf verweisen. Heute wäre der "Weltbürger Nr.1" 100 Jahre alt geworden.

Screenshot CGS Newsletter Juli 2021

 

Im letzten Newsletter der "Citizens for Global Solutions" (Weltföderalisten in den USA) wird behauptet, der Geburtstag von Garry Davis werde jedes Jahr als "Weltbürgertag" gefeiert. Davon hatte ich bis jetzt noch nichts gehört. Es gibt zwar inzwischen unterschiedliche Vorschläge und Termine für einen "Weltbürgertag", aber der 27. Juli war bisher nicht dabei. Ich kann deshalb diesen neueren Vorstoß nur als PR-Aktion für das unlautere Geschäft mit dem Fantasieausweis "World Passport" ansehen.

Vermutlich ist der Umsatz seit dem Tod von Garry Davis rückläufig. Sicherlich fehlt seine exzentrische Persönlichkeit, die bei den Medien stets Interesse fand. Da muss man sich etwas einfallen lassen. Was liegt näher, als aus dem "Weltbürger Nr.1" mehr zu machen, als er in Wirklichkeit war. Der World Passport wird zu seinem Vermächtnis. Ein "Weltbürgertag" wird eingeführt. So geht das Geschäft weiter.

Folgt man dem Link in dem Newsletter, erfährt man, wie man sich bei dieser dubiosen "Weltbürger-Regierung" als Weltbürger registrieren lassen kann. Das kosten 40 USD plus Nebenkosten. Beim Weltbürger-Register in Paris geht das kostenlos, falls man keine Weltbürgerkarte für 15 € dazu haben möchte. Bei der "World Service Authority" folgt dagegen der World Passport ab 75 USD aufwärts, plus Nebenkosten. Das ist nur der Anfang einer ganzen Reihe wertloser Fantasie-Angebote für viel Geld.

Bemerkenswert ist die Dreistigkeit, mit der die angebliche internationale Gültigkeit des World Passport behauptet wird. Nach schwülstigen Worten über die Großartigkeit dieses Papiers, wird unbedarften Interessenten vorgegaukelt, dass die meisten Länder den World Passport als Reisedokument anerkannt hätten. Das stimmt ja überhaupt nicht. Korrekten Grenzbeamten werden willkürliches, subjektives und diskriminierendes Verhalten sowie Missachtung von Menschenrechten unterstellt.

Siehe: https://worldservice.org/onlineform.html

Wer von den Reisenden mit dem World Passport Schwierigkeiten erleben muss und endlich merkt, dass er getäuscht wurde, braucht nicht zu glauben, dass er sein Geld zurück bekommt. "Da die Gebühren für die Bearbeitung und Ausstellung der Dokumente durch das WSA verwendet werden, sind die Gebühren nicht erstattungsfähig, sobald die Dokumente ausgestellt sind." Die Benutzung des World Passport geht auf eigene Gefahr. Soviel Jurist ist der Präsident der World Service Authority David Gallup genug, um seinen Laden vor möglichen Regressansprüchen zu bewahren.

Organisationen, welche das Geschäft mit dem Welt Passport tolerieren oder sogar unterstützen, kann ich beim besten Willen nicht mehr als seriös ansehen. Ich werde sie aus der Liste meiner Empfehlungen entfernen. Die sich auf diese Weise zu Narren machen lassen, sind selber schuld.

Für sie gibt es ab heute den 27. Juli als Tag der Fantasie-Weltbürger.


Montag, 12. Juli 2021

Eine Weltunion demokratischer Nationen

Als Professor Ossip K. Flechtheim, einer der Begründer der modernen Zukunftsforschung (Futurologie) und selbst bekennender Weltföderalist, vor mehr als 50 Jahren seine drei möglichen Alternativen einer Welt von Morgen formulierte, sah er in einer solidarischen Weltföderation die am wenigsten wahrscheinliche Variante. Tatsächlich läuft heute die Entwicklung eher auf "eine relative Stabilisierung bürokratisch-technokratischer Regime der Rüstung und Raumfahrt hinaus", sofern die Menscheit die gegenwärtigen und zukünftigen Probleme bewältigen kann und sich nicht selbst auslöscht.

Wenn wir uns heute als Mondialisten für eine föderale Weltunion einsetzen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir mit diesem Ziel eine verschwindende Minderheit sind. Es gibt gegenwärtig keine Weltföderalisten-Bewegung in dem Sinne. Trotzdem wäre eine demokratische Weltföderation die beste Voraussetzung für das Überleben der Menschheit in Frieden und Freiheit. Aber dafür fehlt noch bei den meisten Menschen und ihren politischen Vertretern das nötige Bewusstsein. Man glaubt eher, sich durch nationale Selbstbehauptung retten zu können.

Dieser fatale Irrtum wird dadurch verstärkt, dass man autoritären Regimen eher zutraut, mit den Problemen der Zukunft fertig zu werden. Es mangelt an Kraft und Selbstvertrauen, Teil der Lösung zu werden. Demokratie ist leider kein Naturgesetz. Dafür lässt man sich gerne von unlauteren Politikern und Machthabern betrügen und bildet sich dabei auch noch ein, "Querdenker" zu sein. Wir erleben heute solche Vorgänge in vielen Ländern. Da werden Demokratien zersetzt und ausgemachte Diktaturen festigen ihre Systeme rücksichtslos. Sie scheren sich nicht um Menschenrechte und ersticken jede Opposition im Keim.

Das größte Beispiel dafür dürfte die Volksrepublik China sein. Hier kann man beobachten, wie so eine Wirtschafts- und Sozialdiktatur jenseits jeglicher Demokratie funktioniert und wie sie expandiert. Ich empfehle dazu die aktuelle ARTE-Dokumentation "Die neue Welt des Xi Jinping". Die VR China ist der absolute Überwachungsstaat. Seine Praktiken stellen die düstersten Fanasien eines George Orwell in den Schatten. Das hat natürlich auch Vorteile: Es gibt zum Beispiel weniger Kriminalität. Was nicht kriminell ist, läßt sich leicht kriminalisieren. Wer gegen die Regeln verstößt, läuft Gefahr eingesperrt oder hingerichtet zu werden. "Querdenker" haben nicht die geringste Chance, den Staat nachhaltig zu stören. Dadurch ist der Staat auch in der Lage, dringende Maßnahmen schnell und effektiv durchzusetzen. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber langsamen Demokratien.

Während die meisten Chinesen damit einverstanden zu sein scheinen, profitiert das System außenpolitsch von den Schwächen der bestehenden Demokratien. Der größte Mangel der Demokratie ist, dass sie bis jetzt nicht als Angelegenheit der Menschheit erkannt wurde, sondern immer noch als Teil der nationalen Souveränität gehütet und wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird. Dadurch ist sie schwerfällig und unterliegt unberechenbaren Einflüssen und Schwankungen, bis hin zur demokratischen Abwahl ihrer selbst.

In meinem vorhergehenden Beitrag habe ich über die "Vier Pfade zur Weltföderation" geschrieben. Der Weg C sieht die Bildung einer globalen Sicherheitsgemeinschaft demokratischer Staaten vor. Nach Auffassung der Australischen Vereinigung der Weltbürger könnte daraus eine demokratische Weltföderation entstehen. Bei Democracy Without Borders wurde dazu ein Artikel von Chris Hamer veröffentlicht.

Es gibt auch schon eine "Coalition for a World Security Community", in dessen Rahmen von einer Arbeitsgruppe eine ausführliche Projektbeschreibung (PDF, 17 Seiten) ausgearbeitet wurde. Diese Darstellung enthält viele "Wenn" und "Aber", ist aber dennoch eine sehr gute Grundlage für die weitere Diskussion.

In ähnliche Richtung geht der aus Großbritannien stammende und von der Global Challenges Foundation ins Spiel gebrachte Vorschlag, aus der Gruppe der G7 eine Allianz demokratischer Staaten D10 zu bilden. D10 hätte laut Daniel Schatz, im Vergleich zu früheren ähnlichen Vorschlägen, zwei Vorteile: eine begrenzte Mitgliedschaft und eine klare Ausrichtung. Lesen sie die erste Veröffentlichung in einer neuen Serie von Perspektiven für die kommende Entwicklung der Weltpolitik: "D10 – A Global Coalition for Democracy in the Making?" (PDF). Auch hier gibt es eine Menge Fragezeichen, nicht nur das in der Überschrift. Könnte sich damit der bereits bestehende Ost-West-Gegensatz verhärten und ein neuer Kalter Krieg entstehen? Man muss solche und ähnliche Fragen stellen, denn D10 wäre nicht die Bühne von im Prinzip machtlosen NG0s, sondern Weltmachtpolitik mit globalen Auswirkungen. Aber wie sollte man sonst dem Vormarsch der Diktatur Einhalt gebieten?

Hier kommen wir an einen Punkt, wo wir als Weltföderalisten kaum noch Einfluss nehmen können. Wir sind dafür einfach zu schwach. Wir können nur hoffen, dass die verantwortlichen Politiker keine dummen Sachen machen und Vernunft walten lassen. Auch die Demokratie wäre keinen dritten Weltkrieg wert. Wir müssen darauf hoffen, dass sich die Systeme ohne größere Gewalt anpassen. Es wird auch eine Zeit nach Putin, Lukaschenko, Erdogan und anderen Irrläufern der Geschichte geben. Und das Reich des Xi Jinping ist ein Riese auf tönernen Füßen, der nur aufrecht stehen kann, weil er von Bajonetten gestützt wird. Das kann sich alles schlagartig ändern.

Was könnten wir als Mondialisten / Weltföderalisten trotzdem jetzt tun? Ich möchte hier auf meinen Vorschlag vom Dezember 2019 zurückkommen: Die Weltunion klein anfangen. Den daraus entwickelten Ansatz für eine Modell-Weltföderation könnte man abändern und daraus eine Kampagne für eine Weltunion demokratischer Nationen im Kleinen machen. Es käme dabei nicht auf die Größe der in Frage kommenden Staaten an, sondern darauf, dass es sich um stabile Demokratien und Rechtsstaaten handelt. Zusätzlich wären Merkmale gehobener Zivilisation, wie zum Beispiel die Abschaffung der Todesstrafe und der Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag der Vereinten Nationen, wünschenswert.

Dazu sei auf einen Artikel von Austin G. Mackell von der Australischen Weltbürgervereinigung hingewiesen, in dem er für ein demokratisches Bündnis zur Förderung von Menschenrechten plädiert. Das wäre meines Erachtens schon die richtige Richtung. Werden die Weltföderalisten zu solch einer Kampagne bereit sein? Daraus könnte wieder eine tatsächliche Weltföderalisten-Bewegung werden.


Freitag, 2. Juli 2021

Vier Pfade zur Weltföderation

Nicht erst seit gestern existrieren in der globalen Szene der Weltföderalisten unterschiedliche Vorstellungen vom richtigen Weg, der zur politischen Vereinigung der Menschheit in Form einer Weltföderation führen soll. Es sind vier Pfade erkennbar, die sich durch das schwierige Terrain einer ungewissen Zukunft winden müssen, um dem Ziel näher zu kommen. Dabei können sich auch unvorhersehbare seitliche Verbindungen und Abkürzungen ergeben.


Illustration Etienne Bowie

A – Umwandlung der Vereinten Nationen

Dieser Weg scheint mir der realistischste zu sein. Es wird ernst genommen und gewürdigt, was bereits besteht. Darauf aufbauend wird versucht, das System zu verbessern. Wir Mondialisten meinen damit weniger eine kurzfristige Umwandlung, sondern mehr eine schrittweise Weiterentwicklung, aber möglichst in schnellen Schritten.

Ähnlich sieht das die "Koalition für eine UNO, die wir brauchen". Hier werden viele Schritte zur Weiterentwicklung der Vereinten Nationen integriert, wie zum Beispiel die Initiative "We The Peoples" mit ihren drei Zielen: Weltbürgerinitiative, Parlamentarische Versammlung bei der UNO und Einsetzung eines UN-Beauftragten für die Zivilgesellschaft.

B – Einbindung der Regionen

Die Schaffung regionaler Staatengemeinschaften ist ein weiterer Weg, der zu einer echten Weltgmeinschaft führen kann. Die Europäische Union (EU) geht mit gutem Beispiel voran. Trotz aller Schwierigkeiten und Rückschläge ist das eine Erfolgsgeschichte. Aber Europa ist nicht genug. Es folgen die Afrikanische Union (AU) und andere regionale Zusammenschlüsse. Daraus könnte die föderale Weltunion (WU) werden. Dieser Pfad wäre hundertprozentig mit dem Pfad A vereinbar und eine parallele Verstärkung.

C – Vereinigung der Demokratien

Dann gibt es noch die Idee zur Schaffung einer globalen Staatengemeinschaft durch die Vereinigung der Demokratien der Welt. Chris Hamer hatte vor drei Jahren einen Artikel über die Möglichkeit einer Weltgemeinschaft demokratischer Staaten auf der Grundlage von NATO und OECD veröffentlicht. Dieser Ansatz ließe sich, ebenso wie der Pfad B, mit Pfad A vereinbaren. Durch einen aktuellen, aus Großbritannien stammenden Vorschlag, aus den G7-Staaten eine D10 (PDF) zu machen , nimmt die Sache Formen an. Ich will mich mit diesem Weg in einem folgenden Beitrag ausführlicher befassen.

Verfassungsentwurf 1948

D – Schaffung einer Weltverfassung

Es gibt inzwischen über hundert mehr oder weniger bekannte Entwürfe von Weltverfassungen. Es ist anzunehmen, dass für eine zukünftige föderale Weltunion eine solche Verfassung benötigt wird. Auf dem Pfad A ist sie bereits vorhanden. Es ist die Charta der Vereinten Nationen. Diese müsste nur von Zeit zu Zeit überprüft und angepasst werden. Andere Zusammenschlüsse, ob regional oder global, würden ihre Verfassung selbst erarbeiten und demokratisch beschließen. Vorhandene Verfassungsentwürfe können dafür hilfreich sein, sind aber nichts weiter als unverbindliche Muster und bedeuten keinen besonderen Pfad in Richtung Weltföderation.

Anders sieht das die World Parliament and Constitution Association WCPA. Sie hat ihre "Erdverfassung" zu einem verbindlichen Leitfaden erhoben, dem die Welt folgen muss. Hier wird versucht, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Ich halte diesen Weg für irrational. Der unbedeutende Club seiner führenden Protagonisten hat sich außerdem bereits im Dschungel esoterischer Fantasien und Verschwörungstheorien verirrt. Deshalb ist dieser Pfad nicht nur nutzlos, sondern kann sich unter Umständen auf die Fortschritte bei den Pfaden A, B und C störend auswirken.

Zusammenfassend

muss man eingestehen, dass sich leider immer noch viel zu wenige Menschen für die Einheit der Menschheit interessieren, geschweige denn, für eine Weltföderation einsetzen würden. Deshalb ist die Szene der Weltföderalisten heute so schwach. Das dafür notwendige Bewusstsein kann man nicht herbei beten oder meditieren. Hier sind Bildung und Zusammenarbeit gefragt, und wir brauchen dazu eine neue Weltbürgerbewegung.

Es existiert heute eine Weltbürgerbewegung, die weit über die Vorstellungskraft eines Garry Davis hinaus geht. Dazu gehören die globale Bewegung gegen den Klimawandel, die Umweltbewegung, die Weltfriedensbewegung, die Bewegung zur Abschaffung von Massenvernichtungswaffen, die Menschenrechtsbewegung, die Bewegung für die Gleichberechtigung der Geschlechter, gegen Rassismus und die Benachteiligung von Minderheiten, die Bewegung für Humanität und soziale Gerechtigkeit, die Bewegung für interreligiöse Toleranz und Verständigung und viele andere Bewegungen mehr. Unsere Aufgabe sollte es sein, diese Menschen davon zu überzeugen, dass sie ihre großen Ziele ohne die politische Vereinigung der Menschheit nicht erreichen werden. Wir müssen sie dazu motivieren, sich parallel zu ihren Aktivitäten auch für eine föderale Weltunion tatsächlich vereinter Nationen einzusetzen.

Deshalb nochmals der Hinweis auf diesen Appell an alle, die eine bessere Welt wollen. Das darf natürlich nicht alles sein. Da muss noch viel mehr gemacht werden. Es ist höchste Zeit für neue Ideen, und man sollte auch nachschauen, welche älteren Ideen bisher keine Beachtung fanden.


Montag, 21. Juni 2021

Wo ist die Weltföderalisten-Bewegung?

Ich nehme das bedauerliche Ende des One World Digest in der bisherigen Form zum Anlass, hier kurz meine Ansichten über die so genannte Bewegung der Weltföderalisten darzulegen. Die Wikipedia-Seiten darüber sind lückenhaft, stellenweise falsch oder veraltet.

Erste Ansätze für einen organisierten Weltföderalismus gab es zwischen den beiden Weltkriegen in Großbritannien und den USA. Es ging dabei um das Thema Weltregierung allgemein. Im Februar 1947 kam es während des Ashville-Kongresses zu einer Fusion mehrerer Organisationen. Damals befürworteten laut einer Gallup-Umfrage 56% der US-Amerikaner eine Weltföderation (Weltregierung – Für und wider eine Idee, PDF). Man konnte da durchaus von einer Bewegung sprechen.

Montreux 1947

Zum ersten Weltkongress der "Vereinten Weltföderalisten" im August 1947 in Montreux/Schweiz kamen über 400 Teilnehmer. Mit der dort beschlossenen "Deklaration von Montreux" hoffte man, auf die bis spätestens 1955 zu erwartende Überprüfung der UN-Charta (Versprechen von San Francisco) Einfluss nehmen zu können. Dieser Kongress erzeugte auch Skepsis, insbesondere bei Weltföderalisten mit radikaleren Vorstellungen. Zum zweiten Weltkongress im September 1948 kamen noch 260 Deligierte und Beobachter. Die Zahl der durch sie vertretenen Mitglieder ist nicht dokumentiert. Bereits hier kann an der Realität einer Bewegung gezweifelt werden.

Dann erschien Garry Davis. Durch seine exzentrischen Aktionen in Paris entstand eine Weltbürgerbewegung, welche die Bewegung der Weltföderalisten weitestgehend überlagerte. Das Strohfeuer dieser Bewegung war aber schnell ausgebrannt und es verschwanden mit ihr auch fast alle Gruppen von Weltföderalisten in der politischen Bedeutungslosigkeit. Übrig blieben klägliche Reste zerstrittener Weltbüger-Vereine sowie das unlautere Geschäft mit dem World Passport, das immer noch die Unterstützung einiger aktiver Weltföderalisten findet.

Einzig die World Federalist Movement / Institute for Global Policy (WFM/IGP) konnte sich behaupten und durch ihre pragmatische Arbeit politischen Einfluss ausüben. Keith Best hat dazu einen aufschlussreichen Artikel geschrieben. Allerdings fehlen der Organisation, die über Jahrzehnte ein Büro bei den Vereinten Nationen in New York unterhielt, heute die finanziellen Mittel für ein Sekretariat. Klangen die Neuigkeiten von der WFM/IGP vor einem halben Jahr noch optimistisch, so geben Äußerungen von Insidern aus jüngster Zeit eher Grund zur Besorgnis.

Die Weltföderalisten sind heute keine Bewegung mehr. Man kann sie bestenfalls noch als Szene ansehen. Ich schätze, dass man weltweit die aktiven Weltföderalisten, die wirklich etwas für die Sache tun, in einen Bus bekommt. Von daher ist die Selbstbezeichnung als "World Federalist Movement" irreführend. Deshalb halte ich eine Namensänderung für geboten. Außerdem sollte man sich von den "Demokratischen Weltföderalisten", die immer noch als Mitgliedsorganisation geführt werden, distanzieren. Mit solch einer faulen Kartoffel in der Kiste muss man sich nicht wundern, wenn potentielle Sponsoren lieber andere NGO's unterstützen.

YouTube 2020

Als die "Jungen Weltföderalisten" Anfang letzten Jahres im Internet auftraten, schien mir die Sache ziemlich vollmundig und eher eine Eintagsfliege zu sein. Sie sind aber immer noch da, was ja positiv zu werten wäre. Die etwas verstaubte und überalterte Szene der Weltföderalisten braucht dringent Nachwuchs. Es geriet inzwischen einiges in Bewegung, aber mehr als etwas Wind im Internet war das dann auch nicht. Nun muss man aber auch anerkennen, dass durch die Pandemie kaum Aktionen außerhalb des Internets möglich waren und auch weiterhin sein werden. Also Zeit genug, sich inhaltlich zu festigen. Ihre "Politische Plattform" ist schon mal ein gutes Zeichen. Es ist unverkennbar, dass bei der Formulierung ein erfahrener Weltföderalist geholfen hat.

Ansonsten sieht die Aktion weniger Erfolg versprechend aus. Auch wenn sich die YWF mit 1000 Mitgliedern auf der idiotischen Internet-Plattform "Discord" brüsten, sind sie nur eine Hand voll von sich selbst überzeugter junger Männer. Kritik verstehen sie als Angriff, konstruktive Ratschläge schlagen sie arrogant in den Wind und Warnungen werden ignoriert. So sind sie wider besseres Wissens eine Partnerschaft mit dem WCPA-Ableger "Earth Constitution Institute" eingegangen. Man muss von dort mit weiteren Irritation rechnen. Und eins dürfte jetzt schon feststehen: Auch wenn die Jungen Weltföderalisten sie großartig verkünden, eine Bewegung wird das nie.


Mittwoch, 16. Juni 2021

Führung im Denken, das zum Handeln führt

Die World Academy of Art & Science (WAAS) wurde 1960 von bedeutenden Intellektuellen gegründet, darunter Albert Einstein, Robert Oppenheimer, Bertrand Russell und Lord John Boyd Orr, der auch der erste Präsident der WAAS war. Zur Akademie gehören Wissenschaftler, Künstler und Gelehrte, die sich den drängenden Herausforderungen widmen, mit denen die Menschheit heute konfrontiert ist.

Es ist ein Forum, in dem diese Probleme objektiv, wissenschaftlich, global und frei von Eigeninteressen oder regionalen Bindungen diskutiert werden können, um zu Lösungen zu gelangen, welche die universellen Menschenrechte bekräftigen und dem Gemeinwohl der gesamten Menschheit dienen. Die WAAS gründet sich auf den Glauben an die Kraft origineller und kreativer Ideen. Ihr Motto heißt:

Führung im Denken, das zum Handeln führt

Zur ihrem 60jährigen Jubiläum veranstaltete die WAAS vom 15. bis 19 Februar 2021 eine virtuelle Konferenz, an der mehr als 120 Fellows und zahlreiche Gäste teilnahmen. Über die Inhalte der Konferenz wurde jetzt ein ausführlicher Report in englischer Sprache veröffentlicht. Dazu Garry Jacobs, Präsident der WAAS:

"Viele sagten, dass sie von der Konferenz mit einer tieferen Wertschätzung dafür weggingen, warum die Akademie gegründet wurde, die Merkmale, die ihre Mission und Ziele definieren, den Umfang ihrer gegenwärtigen Arbeit und ihre zukünftigen Bestrebungen und die verbindende Perspektive, die alle unsere Aktivitäten auf einer breiten Agenda wichtiger globaler Themen zusammenhält. Dieser Bericht versucht, wesentliche Erkenntnisse aus den fünf Tagen intensiver und erhellender Diskussionen, den reichhaltigen Beiträgen aller Redner und der jahrelangen durchdachten Arbeit, die sie widerspiegeln, einzufangen. Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre und laden Sie ein, sich in den kommenden Tagen und Jahren an unseren laufenden Bemühungen um die Erfüllung des Auftrags der Akademie zu beteiligen."

Hier geht's zum Report (PDF 38 Seiten): A PLANETARY MOMENT


Freitag, 11. Juni 2021

One World Digest eingestellt

Es wurde bei mir schon zur Routine: Montag bis Freitag, jeden Morgen erst einmal nachschauen, was es bei One World Digest Interessantes gibt. Offensichtlich gehörte ich zu den Wenigen, die sich dafür interessierten. Der im September letzten Jahres gegründete Dienst von Peter Orvetti wurde nun mangels Interesse eingestellt. Das ist bedauerlich. Bei Facebook heißt es dazu kurz und knapp:

"One World Digest wechselt zu einem Facebook- und Twitter-Format, wobei die Website (die nur wenige Besuche erhielt) entfernt wird. Anstelle von mehreren Links einmal pro Tag, werden Links auf einer fortlaufenden Basis geteilt, wie sie gefunden werden. Vielen Dank fürs Lesen!"

Ein so ordentlicher und attraktiver Internet-Digest, wie ihn Peter Orvetti gemacht hatte, bedeutet natürlich viel Arbeit. Dann ist es frustrierend, wenn diese Arbeit nicht die gewünschte Resonanz erhält. Wer müht sich schon gerne jeden Tag dafür ab, praktisch ignoriert zu werden. Und es offenbart auch die Realität der so genannten Weltföderalisten-Bewegung. Das ist alles mehr Schein als Sein. In einem kommenden Beitrag will ich näher darauf eingehen.

Auch wenn ich die Facebook-Seite abonniert habe, halte ich Facebook und Twitter für keine geeigneten Formate für einen Digest sind, der diese Bezeichnung verdient. Das ist dann auch nur das übliche Teilen von Inhalten, die leider kaum zur Kenntnis genommen werden. Aber herzlichen Dank an Peter Orvetti für die Mühe. Es war ein Versuch wert.

Update 6. Juli 2021:

Inzwischen wurde die Facebook-Seite gelöscht, ebenso wie die Seite bei Twitter. Laut dem aktuellen Newletter der Citizens for Global Solutions (us-amerikanische Weltföderalisten) hat Peter Orvetti dort die Aufgabe eines Operations Managers übernommen. In seiner Vorstellung findet der One World Digest keine Erwähnung.