Dienstag, 29. Oktober 2019

Cahors - erste Weltbürgerstadt

Am 30. Juli 1949, in der großen Zeit der Weltbürgerbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg, erklärte sich Cahors im Südwesten Frankreichs, die Stadt mit der markanten Brücke über den Fluss Lot als Wahrzeichen, zum Territorium einer Bewegung, die "Mondialisation" genannt wurde. Von dieser Geschichte erzählte 2017 der Artikel "Mondialists unite!" in The Guardian, deutsch in "der Freitag".


Diese symbolische Bekundung als Weltterritorium fand Nachahmer in vielen Ländern. Im Département Lot folgten fast alle Gemeinden dem Beispiel. Im Juni 1950 gab es in Cahors ein großes Fest, bei dem man die "Straße ohne Grenzen Nr. 1" eröffnete, die mit speziellen Meilensteinen markiert wurde. Allerdings reichte das Projekt nie weiter als bis zum 20 km entfernten Saint-Cirq-Lapopie. In diesem Jahr wurden mehrere der aus Blech konstruierten "Terminals" von Schülern einer berufsbildenden Schule restauriert und feierlich wieder an ihren unsprünglichen Plätzen aufgestellt.


Heute, nach 70 Jahren, ist außerhalb der Umgebung von Cahors kaum noch etwas von der damaligen "Mondialisierung" in Erinnerung. Der Weltbürgerverein von Cahors ist eng mit dem Weltbürger-Register in Paris verbunden. Von dort aus wird die Aktion zwar offzielle fortgeführt, steht aber faktisch nur auf dem Papier. Der Verein in Cahors befasst sich leider fast nur mit der Vergangenheit der Weltbürgerbewegung. Zukunftsweisende Ideen oder Projekte sind keine in Sicht.

Durch Cahors führt die Via Podiensis. Der Weg geht über die Brücke mit den drei Türmen. Tausende Jakobspilger ziehen dort jährlich in Richtung Spanien, ohne etwas von der Weltbürgerstadt zu erfahren. Aber vielleicht wird das jetzt anders, denn an der Pont Valentré steht nun ein frisch lackierter Kilometerstein mit den Zielhinweisen Paris und New York. Mit etwas Sinn für Marketing und praktische Symbolik hätte man Santiago de Compostela dazu schreiben können.
 

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