Mittwoch, 11. Dezember 2019

John Boyd Orr – Friedensnobelpreis 1949

In diesen Tagen erscheint der Friedensnobelpreis, welcher jährlich – zeitgleich am Tag der Menschenrechte – verliehen wird, im Zwielicht. Die helle Seite zeigt die diesjährige Preisverleihung – vollkommen zu Recht – an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed. Man kann nur hoffen, dass er den destruktiven Kräften seines Landes weiterhin gewachsen ist.

Ein sehr dunkler Schatten dagegen wirft die Tatsache, dass sich die Friedensnobelpreisträgerin von 1991, Aung San Suu Kyi, dem Vorwurf des Völkermordes an den Rohingya stellen muss. Als Vertreter islamischer Länder hat das westafrikanische Gambia deswegen Myanmar vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag verklagt.

Eine unappetitliche Angelegenheit war die aktuelle Preisvergabe in einer anderen Nobel-Sparte, der Literatur, an den umstrittenen österreichischen Schriftsteller Peter Handke. Hier war das Stockholmer Nobelpreiskomitee offensichtlich von allen guten Geistern verlassen. Das ist die Gegenwart.

Vor 70 Jahren, am 10. Dezember 1949, wurde der Friedensnobelpreis an John Boyd Orr, 1945/46 erster Generaldirektor der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), verliehen. Er war ein konsequenter Mondialist. 1948 wählte die Movement for Federal World Government ihn auf ihrem Kongress in Luxemburg zum Präsidenten (siehe Lothar Mann – Weltregierung – Für und wider eine Idee, Seite 5 und 6). Diese frühe Organisation der Weltföderalisten ging später in der größere Word Federalist Movement auf.

Im Juni 1950 war John Boyd Orr zu Gast bei den Feierlichkeiten im südfranzösischen Cahors, der ersten Weltbürgerstadt. 1966 gehörte er zu den Unterzeichnern eines Aufrufs an die Weltbevölkerung, nach dem man sich als Weltbürger registrieren lassen sollte. Allerdings macht die Registrierung in dieser Form heute keinen Sinn mehr und ist nur noch ein unnützes bürokratisches Ritual. Die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen verlangen von engangierten Mondialisten andere Aktionen.

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