Freitag, 10. Januar 2020

Die World Constitution and Parliament Association (WCPA)

Am 10. und 11. Dezember 2019 veranstaltete die WCPA die Konferenz "Klimawandel und die Verfassung der Erde" in der indischen Stadt Sonipat, um "unsere planetaren Krisen im Licht der Erdverfassung zu thematisieren". Gemeint ist hier die "Earth Constituion", ein umfangreicher Entwurf für eine Weltverfassung. Laut Bericht auf der WCPA-Website versammelten sich etwa 70 internationale Teilnehmer in den Räumen der O.P. Jindal Global University.
Inhaltlich ging es bei der Konferenz eher um interne Angelegenheiten als um den Klimawandel. Es wurden Anwesende wegen ihrer Leistungen geehrt und ein "WCPA Global Peace Leadership Award" an drei verdiente Empfänger vergeben. Es ging auch um die Organisation von WCPA-Gruppen in mehreren Städten Indiens sowie um den Versuch der Gründung eines "WCPA Global Communication Center" seit drei Jahren. Die dafür erforderlichen finanziellen Mittel konnten bisher nicht beschafft werden. Es wurde deshalb beschlossen, neue Mitglieder nicht mehr wie bisher unentgeltlich aufzunehmen, sondern eine Gebühr von 1000 Rupien zu verlangen. Spenden für das Center können unter anderem an das Earth Federation Institute in den USA gezahlt werden.

In der von der Konferenz verabschiedeten Schlusserkärung wurde dann auf das eigentliche Konferenzthema eingegangen:
"Die Verfassung für die Föderation der Erde erklärt, dass eine geschützte und gesunde planetarische Umwelt ein grundlegendes Menschenrecht ist. Ohne den Schutz unserer planetaren Biosphäre, die alles Leben auf der Erde unterstützt, können keine anderen Rechte für die Menschheit verwirklicht werden."
Es wurde beschlossen "das Streben nach spiritueller Transformation mit dem Streben nach strukturellem Wandel unserer fragmentierten planetaren wirtschaftlichen und politischen Systeme zu vereinen."
Es folgen triviale Feststellungen und eine ganze Reihe Absichtserklärungen ohne seriösen Hintergrund. Dafür will das "Provisorische Weltparlament" der WCPA die Erdoberfläche schon mal in 1000 Weltwahlbezirke einteilen.

Ich habe eine Übersicht über die Weltverfassung der WCPA in deutscher Sprache beim Weltbürger-Informationsdienst veröffentlicht. Diese Informationen beruhen auf einer Aufarbeitung der Aktivitäten der WCPA und ihres Präsidenten Dr. Glen Theron Martin im ehemaligen Weltbürger-Forum. Meine anfänglich positive Einstellung gegenüber der WCPA, die ich schon aus Zeiten von Philip Isely kannte, änderte sich nachdem deutlich wurde, wie sehr inzwischen die Vereinigung unter der Präsidentschaft von Dr. Martin in die Irrationalität esoterischer Fantasien abgerutscht ist. Wie das zu politischem Schwachsinn führen kann, zeigt das Foto vom Handschlag zwischen Dr. Martin und dem Diktator und Terrorpaten Muammar al-Gaddafi, den er selbst im der Deklaration von Tripolis als "großen Führer" bezeichnete. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wurde das Foto auch noch in einer Broschüre (PDF Seite 8) veröffentlicht, so als müsse man sich dafür nicht schämen. Das ist Dummheit auf die Spitze getrieben.

Im neuesten Artikel von Dr. Martin tritt dann der fortgeschrittene Realitätsverlust unverkennbar zu Tage: Die Welt ist abgrundtief böse. Man sollte sich an dieser bösen Welt nicht weiter beteiligen und die Nichtzusammenarbeit mit dem Bösen sei unsere Pflicht. Dabei beruft er sich auf Mahatma Gandhi, der in Wirklichkeit alles andere als ein lieber Mensch gewesen war. Allein die "Earth Constitution" bringt uns die Rettung. Sie wird erhoben wie eine heilige Schrift. Das ist schon fast wie bei einer Sekte. Nein, die WCPA ist gegenwärtig nicht vertrauenswürdig. Wer soll so etwas ernst nehmen? Es ist bedauerlich, dass sich das auch auf die Democratic World Federalists auswirkt, denn deren Präsident Roger Kotila ist gleichzeitig Vizepräsident der WCPA. Und Dr. Martin ist Vorstandsmitglied bei den DWF.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen