Mittwoch, 17. Juni 2020

Weltkommunikationssprache – Esperanto, Ido oder was?

Hätten die Freimaurer von Babel damals geahnt, was sie mit ihrem verdammten Turm anrichten, wäre das Projekt nicht genehmig worden. So wurde mit dieser Bauruine der Grundstein für einen besonderen Berufszweig gelegt, dem der Dolmetscher. Die Zunft trägt bis heute dazu bei, dass eine einheitliche Weltkommunikationssprache als überflüssig gilt. Damit ist sie selbst unentbehrlich geworden, denn ohne ihren Dienst war bist jetzt eine sichere internationale Kommunikations kaum möglich.
Die Conlang-Flagge, ein Symbol der konstuierten Sprache, das von den Abonnenten der CONLANG-Mailingliste geschaffen wurde und den Turm zu Babel gegen eine aufgehende Sonne darstellt.
Infolge der Coronaviruspandemie wird nun ein Teil der bisher bei der Europäischen Union beschäftigten Dolmetscher erwerbslos. Es besteht gegenwärtig und für unabsehbare Zeit kein Bedarf. Das könnte aber auch nur der Anfang des Aussterbens dieses Berufes sein, denn mit Künstlicher Intelligenz sind bereits jetzt Übersetzungen in erstaunlicher Qualität möglich. Dass unermüdliche Sprachroboter die Dolmetscher hinter den getönten Glasscheiben in den Konferenzsälen ablösen, ist nur eine Frage der Zeit.

Aber zur Kommunikation zwischen den Bürgern der Welt ist eine gemeinsame Sprache von großem Nutzen. Das sollte man auch nicht Robotern überlassen. Keine Frage, diese Stelle hat längst Englisch eingenommen. Wir hatten im Weltbürger-Forum die Möglichkeit von Esperanto als Weltbürgersprache diskutiert (leider nur auf Deutsch) und sind dabei auch zu dem Schluss gekommen, dass an Englisch kein Weg vorbei führt.

Trotzdem gibt es immer noch genug Gründe, die Dominanz von Englisch kritisch zu hinterfragen. Abgesehen von den geschichtlichen Hintergründen, ist Englisch keine besonders wohlklingende Sprache, aus dem Hals eines Donald Trump gequetscht sogar eine Zumutung. Aber das ist reine Geschmacksache.

Nach dem Brexit tritt Englisch in der Europäischen Union zurück in die zweite Reihe. Hier gibt es einige Sprachen, die wesentlich besser klingen. Allerdings sind sie auch schwerer zu erlernen. Französisch ist – so wie einige andere auch – durch Imperialismus und Kolonialsgeschichte negativ belastet. Deutsch ist kaum beliebt, was man durchaus verstehen kann.

So kommt man wieder zur Frage, ob es nicht doch besser wäre, eine völlig unbelastete, konstruierte Plansprache zu wählen, die verhältnismäßig leicht zu erlernen ist und sich dabei auch noch gut anhört. Eine Sprache, welche die vorhandenen Muttersprachen nicht überlagert oder gar verdrängt und auch nicht den Anspruch erhebt, eine Kultursprache sein zu wollen. Es wurden im 19. und 20. Jahrhundert eine ganze Reihe logisch aufgebauter Plansprachen erfunden. Die bekannteste und am weitesten verbreitete ist Esperanto.

Nun hat Esperanto längst den Zenit überschritten. Die internationale Esperanto-Gemeinschaft ist überaltert, der Nachwuchs zu gering. Trotzdem sind die Esperantisten im Internet sehr rege. Es gibt sogar ein Esperanto-Wikipedia. Für die schriftliche Nutzung im Internet sind die vielen Sonderzeichen störend. Wenn aus Esperanto eine Weltbürgersprache mit wieder zunehmenden Sprecherzahlen werden sollte, müsste es reformiert werden. Es gibt dafür auch schon lange ein praktisches, aber leider kaum beachtetes Beispiel: IDO. Zudem müssten die europäischen Esperantisten jetzt vorpreschen und erneut Esperanto als europäische Kommunikationssprache anbieten. Eine globale Zunahme wäre dann durchaus wieder möglich.

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