Freitag, 2. Juli 2021

Vier Pfade zur Weltföderation

Nicht erst seit gestern existrieren in der globalen Szene der Weltföderalisten unterschiedliche Vorstellungen vom richtigen Weg, der zur politischen Vereinigung der Menschheit in Form einer Weltföderation führen soll. Es sind vier Pfade erkennbar, die sich durch das schwierige Terrain einer ungewissen Zukunft winden müssen, um dem Ziel näher zu kommen. Dabei können sich auch unvorhersehbare seitliche Verbindungen und Abkürzungen ergeben.


Illustration Etienne Bowie

A – Umwandlung der Vereinten Nationen

Dieser Weg scheint mir der realistischste zu sein. Es wird ernst genommen und gewürdigt, was bereits besteht. Darauf aufbauend wird versucht, das System zu verbessern. Wir Mondialisten meinen damit weniger eine kurzfristige Umwandlung, sondern mehr eine schrittweise Weiterentwicklung, aber möglichst in schnellen Schritten.

Ähnlich sieht das die "Koalition für eine UNO, die wir brauchen". Hier werden viele Schritte zur Weiterentwicklung der Vereinten Nationen integriert, wie zum Beispiel die Initiative "We The Peoples" mit ihren drei Zielen: Weltbürgerinitiative, Parlamentarische Versammlung bei der UNO und Einsetzung eines UN-Beauftragten für die Zivilgesellschaft.

B – Einbindung der Regionen

Die Schaffung regionaler Staatengemeinschaften ist ein weiterer Weg, der zu einer echten Weltgmeinschaft führen kann. Die Europäische Union (EU) geht mit gutem Beispiel voran. Trotz aller Schwierigkeiten und Rückschläge ist das eine Erfolgsgeschichte. Aber Europa ist nicht genug. Es folgen die Afrikanische Union (AU) und andere regionale Zusammenschlüsse. Daraus könnte die föderale Weltunion (WU) werden. Dieser Pfad wäre hundertprozentig mit dem Pfad A vereinbar und eine parallele Verstärkung.

C – Vereinigung der Demokratien

Dann gibt es noch die Idee zur Schaffung einer globalen Staatengemeinschaft durch die Vereinigung der Demokratien der Welt. Chris Hamer hatte vor drei Jahren einen Artikel über die Möglichkeit einer Weltgemeinschaft demokratischer Staaten auf der Grundlage von NATO und OECD veröffentlicht. Dieser Ansatz ließe sich, ebenso wie der Pfad B, mit Pfad A vereinbaren. Durch einen aktuellen, aus Großbritannien stammenden Vorschlag, aus den G7-Staaten eine D10 (PDF) zu machen , nimmt die Sache Formen an. Ich will mich mit diesem Weg in einem folgenden Beitrag ausführlicher befassen.

Verfassungsentwurf 1948

D – Schaffung einer Weltverfassung

Es gibt inzwischen über hundert mehr oder weniger bekannte Entwürfe von Weltverfassungen. Es ist anzunehmen, dass für eine zukünftige föderale Weltunion eine solche Verfassung benötigt wird. Auf dem Pfad A ist sie bereits vorhanden. Es ist die Charta der Vereinten Nationen. Diese müsste nur von Zeit zu Zeit überprüft und angepasst werden. Andere Zusammenschlüsse, ob regional oder global, würden ihre Verfassung selbst erarbeiten und demokratisch beschließen. Vorhandene Verfassungsentwürfe können dafür hilfreich sein, sind aber nichts weiter als unverbindliche Muster und bedeuten keinen besonderen Pfad in Richtung Weltföderation.

Anders sieht das die World Parliament and Constitution Association WCPA. Sie hat ihre "Erdverfassung" zu einem verbindlichen Leitfaden erhoben, dem die Welt folgen muss. Hier wird versucht, das Pferd von hinten aufzuzäumen. Ich halte diesen Weg für irrational. Der unbedeutende Club seiner führenden Protagonisten hat sich außerdem bereits im Dschungel esoterischer Fantasien und Verschwörungstheorien verirrt. Deshalb ist dieser Pfad nicht nur nutzlos, sondern kann sich unter Umständen auf die Fortschritte bei den Pfaden A, B und C störend auswirken.

Zusammenfassend

muss man eingestehen, dass sich leider immer noch viel zu wenige Menschen für die Einheit der Menschheit interessieren, geschweige denn, für eine Weltföderation einsetzen würden. Deshalb ist die Szene der Weltföderalisten heute so schwach. Das dafür notwendige Bewusstsein kann man nicht herbei beten oder meditieren. Hier sind Bildung und Zusammenarbeit gefragt, und wir brauchen dazu eine neue Weltbürgerbewegung.

Es existiert heute eine Weltbürgerbewegung, die weit über die Vorstellungskraft eines Garry Davis hinaus geht. Dazu gehören die globale Bewegung gegen den Klimawandel, die Umweltbewegung, die Weltfriedensbewegung, die Bewegung zur Abschaffung von Massenvernichtungswaffen, die Menschenrechtsbewegung, die Bewegung für die Gleichberechtigung der Geschlechter, gegen Rassismus und die Benachteiligung von Minderheiten, die Bewegung für Humanität und soziale Gerechtigkeit, die Bewegung für interreligiöse Toleranz und Verständigung und viele andere Bewegungen mehr. Unsere Aufgabe sollte es sein, diese Menschen davon zu überzeugen, dass sie ihre großen Ziele ohne die politische Vereinigung der Menschheit nicht erreichen werden. Wir müssen sie dazu motivieren, sich parallel zu ihren Aktivitäten auch für eine föderale Weltunion tatsächlich vereinter Nationen einzusetzen.

Deshalb nochmals der Hinweis auf diesen Appell an alle, die eine bessere Welt wollen. Das darf natürlich nicht alles sein. Da muss noch viel mehr gemacht werden. Es ist höchste Zeit für neue Ideen, und man sollte auch nachschauen, welche älteren Ideen bisher keine Beachtung fanden.


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