Freitag, 6. August 2021

Das Emblem der Weltbürger

Seit den Tagen des Amerikaners Garry Davis in Paris findet bei verschiedenen Weltbügergruppen rund um den Globus ein Emblem Verwendung, das an Leonardo da Vincis Vitruvianischen Mensch erinnert. Ich habe über den genauen Ursprung des Zeichens keinen schriftliche Beleg gefunden. Bei einer Versammlung von Weltföderalisten 1970 in Wolfach/Schwarzwald erzählte aber der Schweizer Völkerrechtler Max Habicht in seinem Vortrag, der "kleine Mann in dem Kreis" sei intuitiv von Abbé Pierre gezeichnet worden, als man bei einer Sitzung von Weltbürgervertretern in Paris über ein gemeinsames Symbol für die Weltbürgerbewegung diskutierte.

Anlässlich der Feierlichkeiten im Juni 1950 in der Weltbürgerstadt Cahors, wurde vor dem Rathaus eine Skulptur des "kleinen Mannes" in einer stilisierten Weltkugel aufgestellt. Das Werk war mangelhaft durchdacht, denn es vermittelte auch den Eindruck, ein Mensch sei in einem runden Käfig gefangen. Diese Deutung wurde von Gegnern der Weltbürgerbewegung aufgegriffen und karikiert. Nach seinem Aufenthalt in Indien übernahm Garry Davis das Bild und kreierte daraus seine wenig ansprechende gelbe Flagge.

Das ursprüngliche Emblem wird bis heute hauptsächlich vom Pariser Weltbürgerregister verwendet, wo es auf den von dort ausgestellten Weltbürgerausweisen erscheint. Ebenso sind verschiedene künstlerische Variationen bekannt. Zum 70. Jubiläum des Weltbürgerregisters 2018 hatte ich eine Weltbürgerflagge entworfen und mit Einverständnis des Weltbürgerregisters deren Produktion in einer größeren Auflage geplant. Das Projekt scheiterte allerdings an der Unzuverlässigkeit des Pariser Büros. Der Vorgang ist im Weltbürger-Forum dokumentiert.

Mittlerweile dürfte klar sein, dass die Weltbürgerbewegung von damals schon lange nicht mehr existiert. Den kläglichen Resten fehlen positive Zukunftsperspektiven. Es ist deshalb an der Zeit, über eine Erneuerung nachzudenken. Dafür müssen klare Ziele definiert werden, ohne Einfluss irrationaler Vorstellungen und unrealistischer Erwartungen. Dazu ist vieles bereits vorhanden. Wir müssen aus dem diffusen Weltbürgertum etwas machen, was Hand und Fuß hat. Ernsthafte Weltbürger sollten "Bürger der Vereinten Nationen" werden.

Darüber mehr im folgenden Beitrag.


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